Ihr Ergebnis · Emotionsregulation-Test: Wie gut steuern Sie Ihre Gefühle?
Geringe Emotionssteuerung (0–10 Punkte)
Gefühle bestimmen bei Ihnen derzeit häufig das Geschehen, statt dass Sie mitentscheiden. Die gute Nachricht: Regulationsstrategien sind erlernbar und sprechen erfahrungsgemäß gut auf Übung an.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Mit 0 bis 10 von 40 Punkten geben Sie an, dass Ihnen die abgefragten Regulationsfähigkeiten selten zur Verfügung stehen. Konkret heißt das: Aufsteigender Ärger entlädt sich eher ungebremst oder wird komplett weggedrückt, Situationen lassen sich schwer umdeuten, und nach Kränkungen oder Rückschlägen dauert es lange, bis das innere Gleichgewicht zurückkehrt. Vermutlich erleben Sie Ihre Gefühle oft als etwas, das Ihnen zustößt – nicht als etwas, worauf Sie Einfluss hätten.
Ein so niedriger Wert entsteht auf verschiedenen Wegen. Manche Menschen haben schlicht nie Strategien vermittelt bekommen – Emotionsregulation wird in Familien sehr unterschiedlich vorgelebt, und wer als Kind nur Explodieren oder Schweigen beobachtet hat, kennt oft keine dritte Möglichkeit. Bei anderen ist die Regulationsfähigkeit grundsätzlich vorhanden, aber aktuell erschöpft: Schlafmangel, Dauerbelastung oder eine depressive Phase senken die Schwelle, ab der Gefühle überhandnehmen, ganz erheblich.
Wichtig für die Einordnung: Der Wert beschreibt Ihren Umgang mit Emotionen, nicht deren Berechtigung. Heftige Gefühle in einer objektiv schwierigen Lebenslage – Trennung, Jobverlust, Pflegesituation – sind keine Regulationsschwäche, sondern zunächst eine normale Reaktion. Kritisch wird es erst, wenn die Heftigkeit chronisch bleibt und Beziehungen, Arbeit oder Gesundheit beschädigt.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Im Alltag zeigt sich geringe Emotionssteuerung selten als ständiges Drama, sondern als Kette kleiner Folgekosten. Eine spitze Bemerkung der Kollegin beschäftigt Sie noch beim Abendessen. Eine kritische E-Mail wird sofort und im Affekt beantwortet – und muss am nächsten Tag eingefangen werden. Nach einem Streit brauchen Sie nicht Minuten, sondern Stunden oder Tage, um wieder ansprechbar zu sein.
Häufig berichten Betroffene auch von einem Alles-oder-nichts-Muster im Gefühlsausdruck: lange beherrscht wirken, dann bei einer Kleinigkeit unverhältnismäßig ausbrechen. Das Umfeld erlebt diese Ausbrüche als unberechenbar, weil es den aufgestauten Vorlauf nicht gesehen hat. Umgekehrt kann das Wegdrücken dominieren – nach außen ist alles in Ordnung, während innerlich Anspannung, Grübeln und körperliche Beschwerden wie Verspannungen oder Magendruck zunehmen.
Ein dritter typischer Bereich ist die Vermeidung: Gespräche, die emotional werden könnten, werden verschoben; Situationen mit Konfliktpotenzial umschifft. Kurzfristig sinkt so die Belastung, langfristig schrumpft der Spielraum – und die Überzeugung, mit starken Gefühlen nicht umgehen zu können, verfestigt sich mit jeder ausgewichenen Situation ein Stück mehr.
Was können Sie jetzt tun?
Beginnen Sie am wirksamsten Anfangspunkt: dem Benennen. Halten Sie mehrmals täglich kurz inne und geben Sie dem aktuellen Gefühl ein möglichst präzises Wort – nicht nur „gestresst“, sondern „übergangen“, „enttäuscht“, „unter Druck“. Die Forschung zum Affect Labeling zeigt, dass allein das sprachliche Fassen die Erregung im Gehirn messbar dämpft. Ein Notizzettel oder eine Handy-Notiz mit drei Einträgen pro Tag reicht als Format völlig aus.
Bauen Sie als zweites eine künstliche Verzögerung zwischen Auslöser und Reaktion ein. Bewährt haben sich einfache Regeln, die keine Willenskraft im Affekt erfordern, weil sie vorher festgelegt werden: E-Mails, die Sie ärgern, werden grundsätzlich erst nach 30 Minuten beantwortet; in hitzigen Gesprächen kündigen Sie eine kurze Unterbrechung an („Ich brauche zehn Minuten, dann reden wir weiter“). In dieser Lücke hilft verlängertes Ausatmen – etwa vier Sekunden ein, sechs Sekunden aus –, weil es das beruhigende Nervensystem direkt anspricht.
Wenn heftige Gefühlsausbrüche oder anhaltende innere Taubheit Ihren Alltag seit Monaten prägen, Beziehungen daran zerbrechen oder Selbstverletzung und Substanzkonsum als Ventil dienen, holen Sie sich professionelle Unterstützung. Emotionsregulation ist ein zentrales Trainingsfeld der Verhaltenstherapie; Programme wie das DBT-Skills-Training vermitteln sehr konkrete Techniken. Der Weg dorthin führt über die Hausarztpraxis oder direkt über die psychotherapeutische Sprechstunde, deren Termine auch die Servicestelle unter 116 117 vermittelt.
Grenzen dieses Tests
Ein niedriger Testwert ist keine Diagnose und unterscheidet nicht zwischen den möglichen Ursachen – fehlende Übung, akute Erschöpfung, eine depressive oder eine andere psychische Erkrankung können hinter denselben Antworten stehen. Diese Klärung leistet nur ein fachliches Gespräch, nicht ein Fragebogen mit zehn Aussagen.
Bedenken Sie außerdem den Zeitpunkt der Bearbeitung: Wer den Test unmittelbar nach einem heftigen Streit oder in einer akuten Krise ausfüllt, bewertet die eigenen Fähigkeiten oft pauschal negativer, als es dem Durchschnitt der letzten Monate entspricht. Eine Wiederholung in ruhigerer Verfassung zeigt, wie stabil der Wert wirklich ist.
Quellen
- Gross JJ, John OP (2003). Individual differences in two emotion regulation processes: Implications for affect, relationships, and well-being. Journal of Personality and Social Psychology, 85(2), 348–362.
- Abler B, Kessler H (2009). Emotion Regulation Questionnaire – Eine deutschsprachige Fassung des ERQ von Gross und John. Diagnostica, 55(3), 144–152.
- Gross JJ (1998). The Emerging Field of Emotion Regulation: An Integrative Review. Review of General Psychology, 2(3), 271–299.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Schwankende Gefühlssteuerung (11–20 Punkte)
Ihre Regulationsfähigkeiten sind vorhanden, aber nicht zuverlässig abrufbar: An guten Tagen steuern Sie souverän gegen, unter Druck übernehmen die Gefühle wieder das Kommando.
- Stabile Gefühlssteuerung (21–30 Punkte)
Sie verfügen über ein belastbares Repertoire an Regulationsstrategien und setzen es im Alltag meist erfolgreich ein. Luft nach oben gibt es vor allem in Ausnahmesituationen und bei der Strategievielfalt.
- Sehr flexible Emotionsregulation (31–40 Punkte)
Sie beschreiben sich als jemanden, der Gefühle differenziert wahrnimmt, früh gegensteuert und auch unter Druck handlungsfähig bleibt. Prüfenswert ist vor allem, ob diese Souveränität wirklich in allen Lebensbereichen trägt.