Ihr Ergebnis · Soziale-Kompetenz-Test: Wie sicher bewegen Sie sich zwischen Menschen?
Solide soziale Basis (10–18 Punkte)
Vertrautes Terrain meistern Sie gut, Neues oder Konfliktreiches kostet Anlauf. Ihr Wert liegt dort, wo sich ein Großteil der Erwachsenen einordnet.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Zwischen 10 und 18 Punkten liegt das breite Mittelfeld: Die Grundwerkzeuge des Miteinanders beherrschen Sie – Sie können zuhören, sich verständlich machen und in vertrauten Kreisen entspannt agieren. Anspruchsvollere Disziplinen wie Kaltakquise im Gespräch, Schlichten fremder Streitigkeiten oder das elegante Überbringen unangenehmer Wahrheiten gelingen dagegen wechselhaft, abhängig von Tagesform und Gegenüber.
Sehen Sie sich an, aus welchen Aussagen Ihre Punkte stammen, denn das Mittelfeld hat viele Gesichter. Manche sammeln gleichmäßig mittlere Werte über alle zwölf Aussagen – ein ausgewogenes, unauffälliges Profil. Andere kombinieren Spitzenwerte beim Wahrnehmen (Stimmungen lesen, zuhören) mit Schwächen beim Senden (sich zeigen, Anliegen durchsetzen) oder umgekehrt. Diese zweite Konstellation ist die interessantere, weil sie ein klares Trainingsziel liefert.
Ein mittleres Ergebnis ist im Riggio-Modell übrigens keineswegs Mittelmaß im wertenden Sinn: Entscheidend ist die Balance der Dimensionen. Jemand mit moderatem Ausdruck, aber feiner Sensitivität und guter Selbststeuerung wirkt auf Dauer verlässlicher als ein brillanter Selbstdarsteller ohne Antennen für sein Publikum.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Alltagstypisch für diese Stufe ist das Gefälle zwischen drinnen und draußen: Im Team, das Sie seit Jahren kennt, reden Sie frei, machen Witze und widersprechen dem Chef. Auf der Fachtagung unter Fremden dagegen kleben Sie am Buffet und sind erleichtert, wenn ein bekanntes Gesicht auftaucht. Die Fertigkeiten sind vorhanden – sie brauchen nur Sicherheit, um abrufbar zu sein.
Auch bei Konflikten zeigt sich ein Muster: Kleine Reibereien klären Sie passabel, doch wenn es emotional wird oder ein Machtgefälle besteht, schieben Sie das Gespräch auf. Der unbequeme Anruf wandert von Woche zu Woche, die Rückmeldung an den lauten Kollegen unterbleibt, und gelegentlich entlädt sich das Aufgeschobene dann ungeplant.
In Freundschaften sind Sie vermutlich der verlässliche, eher reaktive Part: Sie pflegen Kontakte, die auf Sie zukommen, initiieren aber selten. Das trägt gut durch ruhige Lebensphasen; nach Umbrüchen wie Umzug, Trennung oder Jobwechsel merken Menschen mit diesem Profil jedoch, dass ihr Netz dünner ist als gedacht, weil das aktive Knüpfen ungewohnt blieb.
Was können Sie jetzt tun?
Arbeiten Sie am schwächsten Glied statt am Gesamtpaket. Haben Sie beim Senden gepatzt (Aussagen 1, 5, 9, 10), verordnen Sie sich pro Woche eine aktive Initiative: ein Treffen vorschlagen, im Meeting als Erster sprechen, eine Idee unaufgefordert präsentieren. Lagen die Schwächen beim Empfangen (Aussagen 2, 8, 12), üben Sie gezieltes Beobachten: Schätzen Sie in Gesprächen die Stimmung Ihres Gegenübers und prüfen Sie die Vermutung durch Nachfragen.
Nutzen Sie Strukturen als Steigbügel: Ein Verein, ein Ehrenamt oder eine feste Sportgruppe liefert wiederkehrende Kontakte mit eingebautem Gesprächsstoff – dort lässt sich Neues risikoarm ausprobieren, weil Rolle und Rahmen schon definiert sind. Für Konfliktgespräche hilft ein simples Ritual: Termin selbst vorschlagen statt warten, erste zwei Sätze vorher schriftlich formulieren, Ziel des Gesprächs in einem Satz benennen.
Suchen Sie sich dosierte Herausforderungen knapp über dem Komfortniveau: einmal eine Feier ausrichten, eine kleine Präsentation übernehmen, einen Workshop moderieren. Nach jedem Anlass zwei Minuten Bilanz – was lief, was übe ich nächstes Mal? Diese Schleife aus Versuch und Auswertung ist der Mechanismus, über den aus einer soliden Basis spürbare Souveränität wird.
Grenzen dieses Tests
Der Fragebogen erfasst Ihre gemittelte Selbstwahrnehmung, nicht Ihre beste oder schlechteste Stunde. Wer ihn direkt nach einem peinlichen Auftritt ausfüllt, urteilt strenger; wer gerade einen gelungenen Abend hinter sich hat, milder. Bei einem Wert nahe der Stufengrenze lohnt eine Wiederholung mit einigen Tagen Abstand.
Außerdem bleibt unsichtbar, wie viel Energie Sie das Erreichte kostet. Zwei Personen mit identischen 15 Punkten können völlig verschieden dastehen: Die eine plaudert mühelos und macht einfach selten den ersten Schritt, die andere bezahlt jede gelungene Interaktion mit stundenlanger Erschöpfung. Für die Frage, wo Training ansetzen soll, ist dieser Energiepreis mindestens so aufschlussreich wie die Punktzahl.
Quellen
- Riggio RE (1986). Assessment of basic social skills. Journal of Personality and Social Psychology, 51(3), 649–660.
- Kanning UP (2009). Diagnostik sozialer Kompetenzen (2. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.
- Segrin C, Taylor M (2007). Positive interpersonal relationships mediate the association between social skills and psychological well-being. Personality and Individual Differences, 43(4), 637–646.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Ausbaufähige soziale Kompetenz (0–9 Punkte)
Kontaktaufnahme, Smalltalk oder Konfliktgespräche kosten Sie derzeit viel Überwindung. Die gute Nachricht: Kaum ein psychologisches Merkmal lässt sich so direkt trainieren wie dieses.
- Gut entwickelte soziale Kompetenz (19–27 Punkte)
Sie knüpfen Kontakte, lesen Zwischentöne und klären Konflikte meist souverän. Feinschliff lohnt sich vor allem bei den zwei, drei Situationen, die Ihnen noch Mühe machen.
- Sehr stark ausgeprägte soziale Kompetenz (28–36 Punkte)
Nach Ihrer Selbsteinschätzung gibt es kaum eine zwischenmenschliche Lage, die Sie nicht meistern. Prüfen Sie zwei Dinge: die Deckung mit dem Fremdbild – und den Preis, den Ihre Präsenz kostet.