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Ψ PsychoTest Kompass

Werte

Werte sind grundlegende Überzeugungen darüber, was im Leben wichtig und erstrebenswert ist – Leitlinien, an denen Menschen ihr Verhalten ausrichten. Sie unterscheiden sich von konkreten Zielen dadurch, dass sie nie vollständig erreicht werden: Man "hat" keinen Wert, man lebt nach ihm.

Die psychologische Forschung zeigt, dass Menschen mit klaren, bewusst gehaltenen Werten zufriedener sind, schwierige Entscheidungen leichter treffen und in Krisen stabiler bleiben. Werte sind keine moralischen Vorschriften von außen, sondern das, was einem selbst in der Tiefe bedeutsam ist.

Die zehn Basiswerte nach Schwartz

Shalom Schwartz entwickelte auf Basis interkultureller Daten ein Modell, das zehn grundlegende Werte unterscheidet: Selbstbestimmung (Autonomie, Kreativität), Stimulation (Abwechslung, Herausforderung), Hedonismus (Genuss, Vergnügen), Leistung (Erfolg, Kompetenz), Macht (Status, Kontrolle), Sicherheit (Stabilität, Ordnung), Konformität (Zurückhaltung, Regelbefolgung), Tradition (Respekt, Verbundenheit mit Bräuchen), Benevolenz (Fürsorge für nahestehende Menschen) und Universalismus (Gerechtigkeit, Naturschutz).

Diese Werte sind nicht unabhängig: Manche verstärken einander – etwa Benevolenz und Universalismus –, andere stehen in Spannung – Hedonismus und Konformität zum Beispiel. Die individuelle Wertehierarchie entsteht daraus, welche Werte einem wichtiger sind als andere.

Werte sind keine Ziele

Ein Ziel ist konkret und abschließbar: "Ich will in diesem Jahr eine Beförderung erreichen." Ein Wert ist abstrakt und dauerhaft: "Mir ist berufliche Weiterentwicklung wichtig." Ziele lassen sich von den Werten ableiten – wer Selbstbestimmung hoch hält, wird andere Berufsziele setzen als jemand, der Sicherheit priorisiert.

Der Vorteil dieser Unterscheidung: Ziele können scheitern, ohne dass der Wert verloren geht. Wer aus gesundheitlichen Gründen einen Marathon nicht laufen kann, muss nicht den Wert Gesundheit aufgeben – er kann ihn auf anderem Weg leben.

Werte in der Verhaltenssteuerung

Werte wirken als innerer Kompass vor allem dann, wenn äußere Regeln oder Gewohnheiten nicht greifen: in neuen Situationen, bei schwierigen Entscheidungen, in Konflikten. Wer etwa Ehrlichkeit als zentralen Wert hält, wird in einem moralischen Dilemma anders handeln als jemand, dem Loyalität wichtiger ist.

Die Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) hat das Konzept der wertebasierten Handlung popularisiert: Statt nur Symptome zu bekämpfen, wird gefragt, in welche Richtung ein Leben gehen soll, das den eigenen Werten entspricht. Handlungen, die mit den Werten übereinstimmen, stärken das Gefühl von Sinnhaftigkeit – selbst wenn sie kurzfristig unbequem sind.

Werteklarheit und Wertekonflikte

Viele Menschen haben ihre Werte nie explizit benannt und leben nach einem ungeprüften Mix aus Familientraditionen, gesellschaftlichen Erwartungen und eigenen Intuitionen. Werteklarheit – das bewusste Herausarbeiten dessen, was einem wirklich wichtig ist – schafft Orientierung und erleichtert das Nein-Sagen zu Anforderungen, die den eigenen Werten widersprechen.

Konflikte zwischen Werten sind unvermeidlich: Karriere (Leistung) kostet Zeit mit der Familie (Benevolenz), Risikobereitschaft (Stimulation) kollidiert mit dem Bedürfnis nach Sicherheit. Die Kunst besteht darin, solche Konflikte zu erkennen und bewusst zu gewichten, statt sie unreflektiert auszusitzen.

Quellen