Ihr Ergebnis · Arbeitsmotivation-Test: Was treibt Sie im Job wirklich an?
Gemischte Motivationslage (9–15 Punkte)
Ihre Arbeit hat motivierende Inseln, wird aber überwiegend von Pflicht und äußeren Gründen getragen. Die entscheidende Frage lautet: Welche Anteile lassen sich vergrößern?
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Ihre Punktzahl im mittleren unteren Bereich beschreibt eine Zwischenlage, die auf dem Motivationskontinuum von Deci und Ryan der introjizierten Regulation nahekommt: Sie arbeiten häufig aus einem inneren Müssen heraus – Pflichtgefühl, Anspruch an sich selbst, Vermeidung von schlechtem Gewissen –, ergänzt um handfeste äußere Gründe wie Einkommen und Erwartungen. Echte Freude an der Tätigkeit kommt vor, trägt aber nicht durch die Woche.
Diese Konstellation ist die vielleicht häufigste im Berufsleben und zugleich die am meisten unterschätzte: Von außen wirkt alles in Ordnung, die Leistung stimmt, niemand würde von einem Motivationsproblem sprechen. Innen aber läuft die Arbeit über Selbstverpflichtung statt über Interesse – ein Antrieb, der funktioniert, aber verschleißt, weil er ständige Selbstüberwindung erfordert.
Interessant ist Ihre Punktzahl vor allem als Wegweiser: Sie besagt, dass Ansatzpunkte vorhanden sind. Irgendwo haben Sie Aussagen über Interesse, Sinn oder freiwilliges Lernen zugestimmt – dort liegen die Inseln, von denen aus sich das Verhältnis zur Arbeit umbauen lässt. Menschen in dieser Zone haben nach den Befunden der Motivationsforschung die besten Chancen auf spürbare Verbesserung mit begrenztem Aufwand.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Der Alltag dieser Motivationslage ist ein Wechselbad im Kleinen: Es gibt Aufgaben, bei denen Sie in Gang kommen und die Arbeit fast von selbst läuft – und andere, vor denen Sie sich drücken, bis die Frist sie unausweichlich macht. Prokrastination bei bestimmten Tätigkeiten, gepaart mit reibungslosem Arbeiten bei anderen, ist das Erkennungszeichen schlechthin.
Typisch ist auch der Ton der inneren Kommentare: Viele Sätze beginnen mit eigentlich müsste ich oder ich sollte längst. Erledigt wird trotzdem fast alles – aber die Erledigung fühlt sich eher nach Erleichterung an als nach Befriedigung. Nach Feierabend bleibt oft ein diffuses Unentschieden zurück: kein schlechter Tag, kein guter, ein verbrauchter.
Aufschlussreich ist, wovon Ihre guten Phasen abhängen. Bei manchen sind es bestimmte Inhalte (Konzipieren ja, Verwalten nein), bei anderen bestimmte Bedingungen (ungestörte Vormittage, ein bestimmtes Projektteam, direkter Kundenkontakt). Diese Muster sind keine Zufälle, sondern Daten – sie verraten, unter welchen Umständen Ihre Motivation von der Pflicht- auf die Interessenseite wechselt.
Was können Sie jetzt tun?
Kartieren Sie Ihre Motivationsinseln systematisch: Notieren Sie eine Woche lang nach jedem Arbeitsblock eine schnelle Bewertung von minus zwei bis plus zwei. Am Ende sehen Sie schwarz auf weiß, welche Tätigkeiten, Menschen und Rahmenbedingungen Ihre Pluszonen bilden. Verhandeln Sie anschließend gezielt um Verschiebung: schon zehn Prozent mehr Pluszonen-Anteil verändern das Wochengefühl messbar.
Arbeiten Sie an der Verinnerlichung der Pflichtanteile, die bleiben werden: Die Theorie sagt, dass äußere Ziele zu eigenen werden, wenn ihr Zweck einleuchtet und das Umfeld Wahlfreiheit lässt. Fragen Sie bei zähen Aufgaben konsequent nach dem Wozu – wem nützt das Ergebnis konkret? Wenn eine Aufgabe auch nach ehrlicher Prüfung keinen erkennbaren Zweck hat, ist das ein legitimer Punkt für das nächste Gespräch mit der Führungskraft.
Nutzen Sie außerdem den stärksten bekannten Hebel für Kompetenzerleben: sichtbaren Fortschritt. Zerlegen Sie große, gestaltlose Vorhaben in Etappen, deren Abschluss man sehen kann, und schließen Sie jede Woche mit einem kurzen Rückblick auf das tatsächlich Geschaffte. Das Fortschrittserleben gehört zu den am besten belegten Quellen von Arbeitsmotivation – und es ist eine der wenigen, die Sie vollständig selbst steuern.
Grenzen dieses Tests
Ein Mittelwert ist die unschärfste aller Auskünfte: Er kann bedeuten, dass alles mittelmäßig ist – oder dass hohe Begeisterung für die eine Hälfte der Arbeit und Widerwille gegen die andere sich rechnerisch neutralisieren. Schauen Sie deshalb weniger auf die Summe als auf Ihre einzelnen Antworten: Die Streuung erzählt mehr als die Zahl.
Bedenken Sie zudem, dass Selbstauskünfte zur Motivation vom Zeitpunkt abhängen – vor dem Urlaub, mitten im Jahresabschluss oder nach einem Konflikt fallen sie unterschiedlich aus. Für Rückschlüsse anderer auf Ihre Leistung oder Eignung ist dieses Ergebnis weder gedacht noch brauchbar.
Quellen
- Deci EL, Ryan RM (2000). The "what" and "why" of goal pursuits: Human needs and the self-determination of behavior. Psychological Inquiry, 11(4), 227–268.
- Gagné M, Forest J, Gilbert MH, Aubé C, Morin E, Malorni A (2010). The Motivation at Work Scale: Validation evidence in two languages. Educational and Psychological Measurement, 70(4), 628–646.
- Ryan RM, Deci EL (2000). Self-determination theory and the facilitation of intrinsic motivation, social development, and well-being. American Psychologist, 55(1), 68–78.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Äußere Anreize dominieren (0–8 Punkte)
Ihre Arbeit läuft derzeit fast ausschließlich über äußere Gründe: Gehalt, Pflicht, Erwartungen anderer. Das funktioniert – aber es kostet laufend Kraft, die nichts zurückgibt.
- Verinnerlichte Motivation (16–22 Punkte)
Sie arbeiten überwiegend aus eigener Überzeugung: Die Ziele Ihrer Arbeit sind zu Ihren geworden. Reine Tätigkeitsfreude ist vorhanden, aber der stabile Kern ist das Wichtig-Finden.
- Intrinsische Motivation (23–30 Punkte)
Ihre Arbeit trägt sich weitgehend selbst: Interesse, Aufgehen in der Tätigkeit, freiwilliges Lernen. Das ist die günstigste Motivationslage – mit zwei spezifischen Risiken, die Sie kennen sollten.