Arbeitsmotivation-Test: Was treibt Sie im Job wirklich an?
Zwei Menschen erledigen dieselbe Aufgabe: Der eine zählt die Stunden bis Feierabend, die andere vergisst die Zeit. Der Unterschied liegt selten in der Aufgabe – meist in der Quelle der Motivation. Zehn Fragen zeigen, wo Ihre liegt.
Worum geht es in diesem Test?
Dieser Kurztest ordnet Ihre Arbeitsmotivation auf einem Kontinuum ein, das die Selbstbestimmungstheorie von Edward Deci und Richard Ryan beschreibt: Am einen Ende steht rein äußere Steuerung – Sie arbeiten für Gehalt, Anerkennung oder um Ärger zu vermeiden. Am anderen Ende steht intrinsische Motivation – die Tätigkeit selbst ist die Belohnung. Dazwischen liegen Abstufungen, in denen äußere Ziele mehr oder weniger zu eigenen geworden sind.
Sie bewerten zehn Aussagen über Ihr Erleben bei der Arbeit; zwei davon sind bewusst gegenläufig formuliert und werden umgekehrt gezählt. Aus der Punktsumme von null bis dreißig ergibt sich eine von vier Motivationslagen, jeweils mit einer ausführlichen Auswertung: was die Punktzahl über Ihr Verhältnis zur Arbeit aussagt, welche Folgen die Forschung für Wohlbefinden und Durchhaltevermögen belegt und welche Stellschrauben sich in Ihrer Lage konkret bewegen lassen.
Sinnvoll ist der Test für alle, die ihr Berufsleben gerade hinterfragen: weil der einst spannende Job fade geworden ist, weil ein gutes Gehalt ein schales Gefühl nicht aufwiegt – oder umgekehrt, weil Sie herausfinden möchten, ob Ihre Begeisterung ein tragfähiges Fundament hat. Er eignet sich auch als Vorher-nachher-Messung, etwa nach einem Rollen- oder Teamwechsel.
Mögliche Ergebnisse
- Äußere Anreize dominieren (0–8 Punkte)
Ihre Arbeit läuft derzeit fast ausschließlich über äußere Gründe: Gehalt, Pflicht, Erwartungen anderer. Das funktioniert – aber es kostet laufend Kraft, die nichts zurückgibt.
- Gemischte Motivationslage (9–15 Punkte)
Ihre Arbeit hat motivierende Inseln, wird aber überwiegend von Pflicht und äußeren Gründen getragen. Die entscheidende Frage lautet: Welche Anteile lassen sich vergrößern?
- Verinnerlichte Motivation (16–22 Punkte)
Sie arbeiten überwiegend aus eigener Überzeugung: Die Ziele Ihrer Arbeit sind zu Ihren geworden. Reine Tätigkeitsfreude ist vorhanden, aber der stabile Kern ist das Wichtig-Finden.
- Intrinsische Motivation (23–30 Punkte)
Ihre Arbeit trägt sich weitgehend selbst: Interesse, Aufgehen in der Tätigkeit, freiwilliges Lernen. Das ist die günstigste Motivationslage – mit zwei spezifischen Risiken, die Sie kennen sollten.
Methodik & Hintergrund
Theoretische Grundlage ist die Selbstbestimmungstheorie (Self-Determination Theory), die Deci und Ryan seit den 1970er-Jahren entwickelt haben. Ihre Kernaussage: Motivation ist keine Mengenfrage, sondern eine Qualitätsfrage. Entscheidend ist der Grad der Verinnerlichung – von externaler Regulation (Belohnung und Strafe) über introjizierte (inneres Müssen, schlechtes Gewissen) und identifizierte Regulation (die Sache ist mir wichtig) bis zur intrinsischen Motivation, bei der die Tätigkeit aus sich heraus befriedigt.
Die Theorie benennt drei psychologische Grundbedürfnisse, deren Erfüllung Verinnerlichung ermöglicht: Autonomie (Erleben von Wahlfreiheit), Kompetenz (Erleben von Wirksamkeit) und soziale Eingebundenheit. Für den Arbeitskontext operationalisierte die Forschungsgruppe um Marylène Gagné diese Abstufungen in der Motivation at Work Scale (2010), einem validierten Fragebogen in zwei Sprachen. Unsere zehn Aussagen sind eigene, an dieses Rahmenmodell angelehnte Formulierungen und beanspruchen keine testtheoretische Äquivalenz zu den Originalinstrumenten.
Eine ehrliche Einschränkung gehört dazu: Ein Summenwert presst ein mehrdimensionales Kontinuum in eine einzige Zahl – er zeigt die Tendenz, nicht das vollständige Motivationsprofil. Außerdem misst der Test Ihre Motivation im aktuellen Job, nicht Ihre Motivierbarkeit als Person: Dieselbe Person kann in einer anderen Rolle völlig anders antworten. Ergebnisse sind Reflexionsanstöße, keine Eignungsaussagen.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation?
Intrinsisch motiviert ist eine Handlung, die um ihrer selbst willen geschieht – aus Interesse, Neugier oder Freude an der Tätigkeit. Extrinsisch motiviert ist sie, wenn der Antrieb außerhalb liegt: Gehalt, Lob, Noten, Vermeidung von Strafe. Die Selbstbestimmungstheorie sieht darin allerdings keine Zweiteilung, sondern ein Kontinuum: Äußere Gründe können unterschiedlich stark verinnerlicht sein, bis sie sich fast wie eigene anfühlen.
Ist extrinsische Motivation etwas Schlechtes?
Nein. Für Gehalt zu arbeiten ist weder unmoralisch noch ungesund – Erwerbsarbeit ist ohne äußere Anreize nicht denkbar. Entscheidend ist das Mischungsverhältnis und der Grad der Verinnerlichung: Problematisch wird es, wenn ausschließlich Druck und Belohnung tragen, weil diese Konstellation nachweislich mit mehr Erschöpfung und geringerer Ausdauer einhergeht. Identifizierte Motivation – man bejaht den Zweck der Arbeit – zählt formal zur extrinsischen und ist dennoch sehr gesund.
Kann Geld die Freude an der Arbeit wirklich zerstören?
Unter bestimmten Bedingungen ja. Edward Deci zeigte schon 1971, dass Versuchspersonen, die für ein interessantes Puzzle bezahlt wurden, danach in freier Zeit weniger weiterspielten als Unbezahlte – der sogenannte Korrumpierungseffekt. Entscheidend ist, ob eine Belohnung als Steuerung erlebt wird: Kontrollierende Boni können intrinsische Motivation untergraben, während faire Grundvergütung und unerwartete Anerkennung sie in der Regel nicht beschädigen.
Welche Rolle spielen die drei psychologischen Grundbedürfnisse?
Die Selbstbestimmungstheorie nennt Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit als Nährboden jeder selbstbestimmten Motivation: das Erleben, wählen zu können, wirksam zu sein und dazuzugehören. Arbeitsumgebungen, die diese drei Bedürfnisse erfüllen, fördern nachweislich Verinnerlichung und Wohlbefinden; Umgebungen aus Kontrolle, Überforderung und Isolation drängen Menschen in rein äußere Motivation. Die Bedürfnisse sind damit die praktischste Stellschraube – für Führungskräfte wie für die eigene Jobgestaltung.
Sagt mir das Ergebnis, ob ich kündigen sollte?
Nein, und das soll es auch nicht. Der Test beschreibt die Qualität Ihrer aktuellen Arbeitsmotivation, nicht die Qualität Ihres Arbeitsplatzes oder Ihrer Alternativen. Niedrige Werte sind ein Anlass, Ursachen zu klären und Veränderungen im Bestehenden zu versuchen – vom Aufgabenzuschnitt bis zum Gespräch mit der Führungskraft. Eine Kündigungsentscheidung braucht zusätzlich eine nüchterne Prüfung von Finanzen, Arbeitsmarkt und persönlicher Situation, idealerweise mit Beratung.
Quellen
- Deci EL, Ryan RM (2000). The "what" and "why" of goal pursuits: Human needs and the self-determination of behavior. Psychological Inquiry, 11(4), 227–268.
- Gagné M, Forest J, Gilbert MH, Aubé C, Morin E, Malorni A (2010). The Motivation at Work Scale: Validation evidence in two languages. Educational and Psychological Measurement, 70(4), 628–646.
- Ryan RM, Deci EL (2000). Self-determination theory and the facilitation of intrinsic motivation, social development, and well-being. American Psychologist, 55(1), 68–78.
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