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Anschlussmotiv

Das Anschlussmotiv – in der Motivforschung Need for Affiliation (n Affiliation) – bezeichnet das überdauernde Bedürfnis, freundliche, warme Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen, zu erhalten und wiederherzustellen. Es gehört neben Leistungs- und Machtmotiv zu den drei „großen“ Motiven der Tradition von Henry Murray und David McClelland.

Menschen mit stark ausgeprägtem Anschlussmotiv erleben positive Gefühle vor allem in Situationen des Kontakts, der Nähe und der wechselseitigen Sympathie – und reagieren besonders empfindlich auf Zeichen von Ablehnung.

Zwei Gesichter: Hoffnung und Furcht

Wie jedes klassische Motiv hat auch das Anschlussmotiv eine annähernde und eine meidende Komponente. Hoffnung auf Anschluss zeigt sich in aktiver Kontaktaufnahme, Offenheit und Freude an Geselligkeit. Furcht vor Zurückweisung äußert sich in sozialer Wachsamkeit, Konfliktvermeidung und übergroßer Anpassung.

Beide Komponenten können unabhängig voneinander stark sein. Wer hohe Zurückweisungsfurcht bei hoher Anschlusshoffnung trägt, sucht Nähe und sabotiert sie zugleich durch Absicherungsverhalten – ein Muster mit Berührungspunkten zur Bindungsangst.

Abgrenzung zum Intimitätsmotiv

Dan McAdams schlug in den 1980er Jahren eine Präzisierung vor: Das Intimitätsmotiv beschreibt die Vorliebe für tiefe Zweiergespräche und wechselseitiges Sich-Öffnen, während das breitere Anschlussmotiv auch oberflächlichere Geselligkeit und die aktive Herstellung von Kontakt umfasst.

Der Unterschied ist mehr als akademisch: In Längsschnittdaten sagte das Intimitätsmotiv im mittleren Erwachsenenalter psychosoziale Anpassung besser vorher als das globale Anschlussmotiv.

Wie sich das Motiv im Beruf zeigt

Stark anschlussmotivierte Personen bevorzugen kooperative gegenüber kompetitiven Arbeitsformen, pflegen Netzwerke mühelos und stabilisieren das Teamklima. Sie wählen Sitzplätze näher an anderen, telefonieren mehr und schreiben mehr persönliche Nachrichten – solche Verhaltensindikatoren nutzte schon die frühe Motivforschung.

Heikel wird ein sehr hohes Anschlussmotiv in Rollen, die unpopuläre Entscheidungen verlangen: Führungskräfte, denen Beliebtheit wichtiger ist als Fairness gegenüber allen, verteilen Aufgaben und Bewertungen nachweislich eher nach Sympathie. McClelland sah für Führungserfolg deshalb ein moderates Anschlussmotiv in Kombination mit sozialisiertem Machtmotiv als günstigstes Profil.

Messung

Als implizites Motiv wird n Affiliation klassisch über die Picture Story Exercise erfasst: Personen schreiben Fantasiegeschichten zu mehrdeutigen Bildern; trainierte Auswerter kodieren Anschlussinhalte wie das Herstellen oder Wiederherstellen freundschaftlicher Beziehungen. Fragebögen messen dagegen das explizite Anschlussstreben – beide Werte einer Person können deutlich auseinanderfallen.

Für die Selbstbeobachtung taugt ein einfacher Alltagsindikator: Woraus ziehen Sie nach einem guten Tag rückblickend die meiste Energie – aus dem gelösten Problem, dem erzielten Einfluss oder den gelungenen Begegnungen? Wiederkehrende Antworten der dritten Art sprechen für ein prägendes Anschlussmotiv.

Gesundheitlich ist das Motiv doppelgesichtig: Erfülltes Anschlussstreben puffert Stress und korreliert mit stabilerem Immunstatus, während chronisch frustrierter Kontaktwunsch – etwa nach Umzug oder im Homeoffice ohne Team – zu den zuverlässigsten Quellen von Einsamkeitsbelastung zählt. Für Betroffene ist gezielter Aufbau wiederkehrender Kontaktgelegenheiten (Verein, fester Sporttermin, Stammtisch) wirksamer als sporadische Großereignisse.

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Zum Weiterlesen

Quellen

  • McClelland, D. C. (1987). Human Motivation. Cambridge University Press.
  • McAdams, D. P., & Vaillant, G. E. (1982). Intimacy motivation and psychosocial adjustment: A longitudinal study. Journal of Personality Assessment, 46(6), 586–593.