Ihr Ergebnis · Hochstapler-Syndrom-Test: Fühlen sich Ihre Erfolge unverdient an?
Kaum Hochstapler-Gefühle (0–8 Punkte)
Erfolge dürfen bei Ihnen ankommen: Sie schreiben Gelungenes Ihrem Können zu, und die Sorge, als unfähig entlarvt zu werden, spielt in Ihrem Denken kaum eine Rolle.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Höchstens 8 von 30 Punkten bedeuten, dass Sie den zentralen Merkmalen des Hochstapler-Phänomens überwiegend widersprochen haben. Gelungene Arbeit verbuchen Sie als Ergebnis Ihrer Fähigkeiten und Ihres Einsatzes, Lob nehmen Sie an, und der Gedanke, eines Tages als Blender aufzufliegen, gehört nicht zu Ihrem inneren Repertoire. Ihre Erfolgsattribution funktioniert damit so, wie es die Forschung als günstig beschreibt.
Das ist keine Selbstüberschätzung, sondern eine realistische Verbuchung: Wer Erfolge internal erklärt, kann aus ihnen Selbstvertrauen für die nächste Aufgabe ziehen. Pauline Clance beschrieb als Kern des Phänomens einen Kreislauf, in dem Leistungen das Selbstbild nie erreichen – bei Ihnen kommt die Rückmeldung dagegen dort an, wo sie hingehört, nämlich beim Bild Ihrer eigenen Kompetenz.
Beachten Sie bei der Einordnung zwei Punkte. Erstens misst der Fragebogen Ihr aktuelles Erleben: In stabilen Phasen mit vertrauten Aufgaben fallen die Werte fast aller Menschen niedriger aus als in Umbruchzeiten. Zweitens sind Zweifel nicht per se schlecht – ein niedriger Wert sagt nur, dass sie bei Ihnen nicht die Form chronischer Selbstabwertung trotz objektiver Erfolge annehmen.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Im Berufsalltag zeigt sich Ihr Profil an unspektakulären, aber wirksamen Stellen: Sie melden sich für Aufgaben, die Sie noch nie gemacht haben, weil Sie sich das Einarbeiten zutrauen. Bewerbungen schicken Sie auch dann ab, wenn Sie nicht jede Anforderung erfüllen. In Gehaltsgesprächen können Sie Ihre Leistungen benennen, ohne dass sich das wie Angeberei anfühlt.
Auch der Umgang mit Bewertungssituationen ist entspannter: Vor Präsentationen bereiten Sie sich angemessen vor statt exzessiv, und nach einem Erfolg können Sie sich freuen, statt sofort das nächste Scheitern zu fürchten. Fehler ordnen Sie als normalen Teil des Lernens ein – sie stellen Ihre Kompetenz nicht grundsätzlich infrage, sondern zeigen Ihnen konkrete Verbesserungspunkte.
Ein möglicher blinder Fleck: Menschen mit ausgeprägten Hochstapler-Gefühlen wirken nach außen oft souverän und leisten viel. Wenn Sie selbst frei von solchen Zweifeln sind, unterschätzen Sie womöglich, wie sehr Kolleginnen oder Mitarbeiter innerlich mit sich ringen, während sie äußerlich funktionieren. Beiläufige Bemerkungen über deren angebliche Leichtigkeit können dort ungewollt Druck erzeugen.
Was können Sie jetzt tun?
Konservieren Sie Ihre gesunde Attribution durch eine einfache Gewohnheit: Halten Sie bei größeren Erfolgen kurz fest, welche drei konkreten Entscheidungen oder Fertigkeiten von Ihnen zum Ergebnis beigetragen haben. Diese Notizen sind kein Selbstlob, sondern eine Datenbasis – sie stabilisiert Ihr Selbstbild für Phasen, in denen es unter Druck gerät.
Rechnen Sie mit Übergängen: Hochstapler-Gefühle entstehen typischerweise beim Wechsel in neue Rollen, etwa nach einer Beförderung, beim Jobwechsel oder zu Beginn eines Studiums, wenn die Vergleichsgruppe plötzlich stärker ist. Tauchen solche Zweifel dann auf, wissen Sie: Das ist ein normaler Anpassungseffekt und kein Beweis, dass Sie der neuen Aufgabe nicht gewachsen sind.
Nutzen Sie Ihre Position im Umfeld: Sprechen Sie in Teams offen darüber, was Ihnen misslungen ist und was Sie daraus gelernt haben. Solche Selbstverständlichkeit im Umgang mit Unfertigem senkt die Schwelle für andere, eigene Unsicherheiten zuzugeben – und entzieht dem Hochstapler-Erleben im Team einen Teil seines Nährbodens, der aus Schweigen besteht.
Grenzen dieses Tests
Ein niedriger Summenwert kann verschiedene Ursachen haben: eine tatsächlich stabile Erfolgsattribution, aber auch eine aktuelle Lebensphase ohne Bewertungssituationen, in der die abgefragten Gedanken schlicht keinen Anlass haben. Aussagekräftiger als eine einzelne Messung ist deshalb, wie Sie in der nächsten fordernden Situation – etwa einem neuen Projekt vor kritischem Publikum – tatsächlich denken.
Außerdem erfasst der Fragebogen nur die Selbstauskunft. Wer gelernt hat, Zweifel gar nicht erst an sich heranzulassen, kreuzt niedrig an, obwohl unter der Oberfläche durchaus Unsicherheit arbeiten kann. Der Test ist eine Selbsteinschätzungshilfe und kein diagnostisches Instrument – er bewertet Denkmuster, nicht Ihre tatsächliche berufliche Kompetenz.
Quellen
- Clance PR, Imes SA (1978). The imposter phenomenon in high achieving women: Dynamics and therapeutic intervention. Psychotherapy: Theory, Research & Practice, 15(3), 241–247.
- Clance PR (1985). The Impostor Phenomenon: Overcoming the Fear That Haunts Your Success. Peachtree Publishers, Atlanta.
- Bravata DM, Watts SA, Keefer AL et al. (2020). Prevalence, Predictors, and Treatment of Impostor Syndrome: A Systematic Review. Journal of General Internal Medicine, 35, 1252–1275.
- Mak KKL, Kleitman S, Abbott MJ (2019). Impostor Phenomenon Measurement Scales: A Systematic Review. Frontiers in Psychology, 10, 671.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Moderate Hochstapler-Gefühle (9–15 Punkte)
Gelegentlich meldet sich der Zweifel, ob Sie Ihren Ruf wirklich verdienen – doch er bestimmt nicht Ihr Selbstbild. Ihre Werte liegen im Bereich, den viele Berufstätige kennen.
- Deutliches Hochstapler-Erleben (16–22 Punkte)
Der Verdacht, die eigenen Erfolge nicht wirklich zu verdienen, begleitet Sie regelmäßig: Kompetenzzweifel, abgewertetes Lob und die Sorge vor Entlarvung sind feste Größen in Ihrem Denken.
- Starkes Hochstapler-Erleben (23–30 Punkte)
Das Gefühl, eine Mogelpackung zu sein, hat sich in Ihrem Selbstbild festgesetzt: Erfolge bringen keine Entlastung mehr, und die Angst vor Entlarvung greift tief in Ihre Entscheidungen ein.