Ihr Ergebnis · Hochstapler-Syndrom-Test: Fühlen sich Ihre Erfolge unverdient an?
Moderate Hochstapler-Gefühle (9–15 Punkte)
Gelegentlich meldet sich der Zweifel, ob Sie Ihren Ruf wirklich verdienen – doch er bestimmt nicht Ihr Selbstbild. Ihre Werte liegen im Bereich, den viele Berufstätige kennen.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Mit 9 bis 15 Punkten haben Sie einigen Aussagen zugestimmt, anderen widersprochen. Hochstapler-Gedanken sind Ihnen demnach vertraut, treten aber situationsgebunden auf, statt Ihr Selbstbild dauerhaft zu prägen. Vielleicht relativieren Sie manche Erfolge, während Sie andere durchaus als eigene Leistung anerkennen – ein gemischtes Muster, das in Befragungen sehr häufig vorkommt.
Die Übersichtsarbeit von Bravata und Kollegen (2020) fand je nach Messinstrument und Stichprobe bei 9 bis 82 Prozent der Befragten Hinweise auf Impostor-Erleben – gelegentliche Kompetenzzweifel trotz guter Ergebnisse sind also eher Regel als Ausnahme, gerade in leistungsorientierten Umfeldern wie Wissenschaft, Medizin oder Technik. Ihr Wert beschreibt die milde Ausprägung dieses verbreiteten Musters.
Entscheidend ist bei Ihnen weniger die Häufigkeit als der Auslöser: Prüfen Sie, in welchen Situationen die Zweifel auftauchen. Sind es neue Aufgaben, bestimmte Personen, öffentliche Auftritte? Wer seine Trigger kennt, kann unterscheiden zwischen einer normalen Reaktion auf echte Neuheit und einem Denkmuster, das gute Belege systematisch abwertet.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Alltagsnah könnte Ihr Muster so aussehen: Routineaufgaben erledigen Sie mit ruhigem Selbstvertrauen, doch vor dem Vortrag vor Fachpublikum taucht der Gedanke auf, gleich könne jemand eine Frage stellen, die Ihre Lücken offenlegt. Oder Sie nehmen ein Kompliment für ein Projekt an, schieben aber innerlich nach, dass die Umstände günstig waren.
Typisch für die mittlere Zone ist auch punktuelle Überkompensation: Für Termine mit Bewertungscharakter bereiten Sie sich gelegentlich deutlich länger vor, als die Sache verlangt – nicht aus Gründlichkeit, sondern zur Beruhigung. Das kostet einzelne Abende, kippt aber noch nicht in das chronische Übermaß, das höhere Ausprägungen kennzeichnet.
In Karrierefragen kann der gelegentliche Zweifel bremsen, ohne dass Sie es merken: die interessante Stelle, auf die Sie sich erst nach Zureden bewerben; die Wortmeldung im Meeting, die Sie zurückhalten, weil ein Erfahrenerer im Raum sitzt; das Honorar, das Sie vorsichtshalber niedriger ansetzen. Summiert können solche kleinen Rückzieher über Jahre Wirkung entfalten.
Was können Sie jetzt tun?
Arbeiten Sie gezielt an der Verbuchung von Erfolgen: Notieren Sie nach gelungenen Aufgaben nicht nur, was gut lief, sondern welcher Ihrer Beiträge dafür verantwortlich war – eine Entscheidung, eine Fähigkeit, eine Vorbereitung. Diese Attributionsübung wirkt genau an der Stelle, an der Hochstapler-Gedanken ansetzen, nämlich bei der Erklärung des Erfolgs durch Glück und Umstände.
Trainieren Sie das Annehmen von Anerkennung in kleiner Dosis: Auf Lob nur mit Dank zu reagieren, ohne es zu relativieren oder zurückzugeben, fühlt sich anfangs ungewohnt an, unterbricht aber die automatische Abwertung. Sprechen Sie außerdem mit einer vertrauten Kollegin oder einem Mentor über Ihre gelegentlichen Zweifel – meist stellt sich heraus, dass auch scheinbar souveräne Menschen sie kennen.
Behalten Sie die Richtung im Blick: Nehmen die Zweifel über Monate zu, weiten sie sich auf Routinetätigkeiten aus oder beginnen Sie, Chancen aktiv zu vermeiden, verschiebt sich Ihr Muster in die belastende Richtung. Dann lohnt es sich, die unter der nächsthöheren Stufe beschriebenen Strategien konsequenter einzusetzen, bevor sich das Muster verfestigt.
Grenzen dieses Tests
Der mittlere Bereich ist der unschärfste dieses Tests: Ein Wert von 12 kann bedeuten, dass Sie allen Aussagen ein wenig zustimmen – oder dass wenige Aspekte, etwa die Angst vor Entlarvung, stark ausgeprägt sind, während der Rest fehlt. Schauen Sie sich deshalb an, welche einzelnen Aussagen Ihre Punkte geliefert haben; dort liegt Ihr eigentliches Thema.
Bedenken Sie außerdem den Zeitpunkt der Bearbeitung: Direkt nach einem Rückschlag oder in einer Einarbeitungsphase fallen die Antworten fast zwangsläufig höher aus als in ruhigen Zeiten. Eine Wiederholung des Tests in einigen Wochen zeigt, ob Ihr Ergebnis eine Momentaufnahme oder ein stabiles Muster abbildet.
Quellen
- Clance PR, Imes SA (1978). The imposter phenomenon in high achieving women: Dynamics and therapeutic intervention. Psychotherapy: Theory, Research & Practice, 15(3), 241–247.
- Clance PR (1985). The Impostor Phenomenon: Overcoming the Fear That Haunts Your Success. Peachtree Publishers, Atlanta.
- Bravata DM, Watts SA, Keefer AL et al. (2020). Prevalence, Predictors, and Treatment of Impostor Syndrome: A Systematic Review. Journal of General Internal Medicine, 35, 1252–1275.
- Mak KKL, Kleitman S, Abbott MJ (2019). Impostor Phenomenon Measurement Scales: A Systematic Review. Frontiers in Psychology, 10, 671.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Kaum Hochstapler-Gefühle (0–8 Punkte)
Erfolge dürfen bei Ihnen ankommen: Sie schreiben Gelungenes Ihrem Können zu, und die Sorge, als unfähig entlarvt zu werden, spielt in Ihrem Denken kaum eine Rolle.
- Deutliches Hochstapler-Erleben (16–22 Punkte)
Der Verdacht, die eigenen Erfolge nicht wirklich zu verdienen, begleitet Sie regelmäßig: Kompetenzzweifel, abgewertetes Lob und die Sorge vor Entlarvung sind feste Größen in Ihrem Denken.
- Starkes Hochstapler-Erleben (23–30 Punkte)
Das Gefühl, eine Mogelpackung zu sein, hat sich in Ihrem Selbstbild festgesetzt: Erfolge bringen keine Entlastung mehr, und die Angst vor Entlarvung greift tief in Ihre Entscheidungen ein.