Ihr Ergebnis · Konfliktverhalten-Test: Welcher der fünf Konfliktstile prägt Sie?
Konkurrierender Konfliktstil
Sie gehen in Auseinandersetzungen auf Sieg: klar, schnell, durchsetzungsstark. Das gewinnt Verhandlungen – und verliert auf Dauer Verbündete, wenn es zur einzigen Gangart wird.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Ihr höchster Stilwert liegt beim Konkurrieren: In strittigen Fragen verfolgen Sie Ihre Anliegen mit Nachdruck und sind bereit, dafür Reibung in Kauf zu nehmen. Im Modell von Thomas und Kilmann ist das die Kombination aus hoher Durchsetzungs- und niedriger Kooperationsorientierung – die Haltung „Ich gewinne“ steht vor der Frage „Was brauchst du?“.
Dieser Modus hat einen schlechteren Ruf, als er verdient. Es gibt Situationen, in denen er schlicht der richtige ist: wenn schnell entschieden werden muss und keine Zeit für Konsensrunden bleibt, wenn eine unpopuläre, aber notwendige Maßnahme durchzusetzen ist, wenn jemand versucht, Sie über den Tisch zu ziehen, oder wenn Sicherheit und Regeln nicht verhandelbar sind. Führungsforschung und Verhandlungspraxis kennen genug Fälle, in denen zu wenig Durchsetzung das eigentliche Problem war.
Aussagekräftig wird Ihr Ergebnis erst mit einer Zusatzfrage: Wählen Sie diesen Modus – oder ist er Ihr Autopilot? Wer auch bei der Restaurantwahl, bei Formulierungsdetails im Protokoll und im Gespräch mit der eigenen Tochter auf Sieg spielt, zahlt für Bagatellen denselben Beziehungspreis wie für Grundsatzfragen. Prüfen Sie ehrlich, wie oft Ihre Gegenüber zuletzt einfach aufgegeben haben, statt überzeugt worden zu sein.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Ein typisches Szenario aus dem Berufsleben: Im Projektmeeting wird die Ressourcenverteilung diskutiert. Während andere noch abwägen, haben Sie Ihre Argumente sortiert, sprechen als Erster, kontern Einwände und holen die Entscheidung. Ergebnis: Ihr Projekt bekommt das Budget. Nebenwirkung: Zwei Kollegen, deren Einwände untergingen, liefern in den Folgemonaten nur noch Dienst nach Vorschrift, und Sie erfahren von Problemen erst, wenn sie eskaliert sind.
Im Privaten zeigt sich der Stil oft subtiler: Diskussionen mit Ihnen fühlen sich für andere wie Gerichtsverhandlungen an – wer nicht belegen kann, verliert. Familienmitglieder überlegen sich zweimal, ob ihnen ein Thema den Schlagabtausch wert ist. So bekommen Sie formal oft recht und verlieren trotzdem etwas Wichtigeres: ehrliche Information darüber, was die anderen wirklich denken.
Charakteristisch ist auch Ihr Verhältnis zur Eskalation: Sie schreckt Sie weniger als die meisten Menschen, manchmal belebt sie Sie sogar. Das verschafft Ihnen in Verhandlungen einen echten Vorteil gegenüber konfliktscheuen Gegenübern – birgt aber die Gefahr, Eskalationsstufen zu übersehen, auf denen sich der Konflikt vom Sachthema löst und nur noch ums Gewinnen kreist.
Was können Sie jetzt tun?
Führen Sie eine Triage ein, bevor Sie in den Kampfmodus schalten: Wie wichtig ist mir die Sache auf einer Skala von eins bis zehn – und wie wichtig ist mir die Person? Reservieren Sie volle Durchsetzung für Themen ab acht. Bei allem darunter kostet ein errungener Sieg mehr Beziehungskapital, als die Sache wert ist. Allein diese Sortierung senkt die Zahl Ihrer Frontlinien erheblich, ohne dass Sie an Wirksamkeit verlieren.
Trainieren Sie als Zweites die Frage vor dem Argument: Bevor Sie Ihre Position begründen, lassen Sie die Gegenseite ausreden und fassen deren Anliegen in eigenen Worten zusammen. Das fühlt sich für Durchsetzungsstarke anfangs wie Zeitverschwendung an, ist aber doppelt nützlich – es liefert Ihnen Verhandlungsinformation, und es senkt den Widerstand, weil Menschen Entscheidungen eher mittragen, wenn sie sich gehört fühlen.
Holen Sie sich drittens ehrliches Feedback von Menschen, die nichts von Ihnen brauchen: Wie erleben sie Auseinandersetzungen mit Ihnen? Durchsetzungsstarke Menschen bekommen systematisch geschöntes Feedback, weil Kritik an ihnen anstrengend ist. Wenn Sie Führungsverantwortung tragen, lohnt zusätzlich ein Blick auf Ihre Entscheidungsqualität: Teams, die Widerspruch gelernt haben aufzugeben, produzieren die teuersten Fehler – niemand warnt mehr.
Grenzen dieses Tests
Der Test misst Ihre Selbstwahrnehmung, und gerade beim Konkurrieren klaffen Selbst- und Fremdbild oft auseinander: Was Sie als „klare Kante“ erleben, kann bei anderen als Härte ankommen – oder umgekehrt wirkt Ihr Auftreten weicher, als Ihr Punktwert vermuten lässt. Nur Rückmeldungen aus Ihrem Umfeld können das klären.
Außerdem sagt der dominante Stil nichts über Ihr Gesamtrepertoire. Viele durchsetzungsstarke Menschen kooperieren ausgezeichnet, sobald sie der Gegenseite vertrauen; der Wettbewerbsmodus ist dann eine Schutzreaktion auf unsichere Situationen. Ob das bei Ihnen zutrifft, verrät der Blick auf Ihren zweithöchsten Wert.
Quellen
- Thomas KW, Kilmann RH (1974). Thomas-Kilmann Conflict Mode Instrument. Tuxedo, NY: Xicom.
- Rahim MA (1983). A Measure of Styles of Handling Interpersonal Conflict. Academy of Management Journal, 26(2), 368-376.
- Blake RR, Mouton JS (1964). The Managerial Grid. Houston, TX: Gulf Publishing.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Kooperierender Konfliktstil
Sie behandeln Konflikte als gemeinsames Problem und suchen Lösungen, die alle Anliegen erfüllen. Der Königsweg – der nur dann trägt, wenn Zeit und Gegenüber mitspielen.
- Kompromissorientierter Konfliktstil
Ihr Reflex in Streitfragen: die Mitte finden, zügig einigen, weitermachen. Pragmatisch und fair – solange Sie nicht Dinge halbieren, die man besser ganz geklärt hätte.
- Vermeidender Konfliktstil
Sie umgehen Auseinandersetzungen, wo es geht: verschieben, ausweichen, aussitzen. Manchmal ist das Weisheit – als Dauerstrategie überlässt es anderen die Entscheidungen über Ihr Leben.
- Nachgebender Konfliktstil
Sie stellen in Streitfragen die Beziehung über die Sache und kommen anderen weit entgegen. Großzügigkeit ist eine Stärke – bis Ihre eigenen Anliegen dauerhaft leer ausgehen.