Ihr Ergebnis · Konfliktverhalten-Test: Welcher der fünf Konfliktstile prägt Sie?
Vermeidender Konfliktstil
Sie umgehen Auseinandersetzungen, wo es geht: verschieben, ausweichen, aussitzen. Manchmal ist das Weisheit – als Dauerstrategie überlässt es anderen die Entscheidungen über Ihr Leben.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Ihr stärkster Modus ist das Vermeiden: Sie steigen in strittige Themen möglichst gar nicht erst ein – weder um sich durchzusetzen noch um zu verhandeln. Im Fünf-Stile-Modell ist das die Position mit niedriger Durchsetzung und niedriger Kooperation: Der Konflikt wird nicht ausgetragen, sondern vertagt, umschifft oder ausgesessen.
Bevor Sie das als Defizit lesen: Vermeiden ist ein legitimes Werkzeug mit klaren Einsatzgebieten. Bei Bagatellen, die sich von selbst erledigen, ist es schlicht effizient. Bei überhitzten Gemütern verhindert ein taktischer Rückzug Worte, die nicht mehr einzufangen wären. Bei Konflikten, in denen Sie keinerlei Einfluss haben – die Unternehmensfusion, der pöbelnde Fremde –, spart es Kraft für Kämpfe, die sich lohnen. Kluge Konfliktarbeit beginnt oft mit der Entscheidung, welche Schlachten man nicht schlägt.
Zum Problem wird der Modus durch Verallgemeinerung: Wenn auch die wichtigen, beeinflussbaren, drängenden Themen im Ausweichprogramm landen. Konflikte über Geld, Zuständigkeiten oder Grenzverletzungen verschwinden nicht durch Schweigen – sie reifen im Verborgenen, wechseln den Schauplatz und kehren größer zurück. Und wer sich nicht äußert, überlässt das Feld denen, die es tun: Entscheidungen fallen dann ohne Ihre Stimme, aber mit Folgen für Sie.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Typische Szenen: Der Nachbar lässt seit Monaten seinen Hund in Ihren Vorgarten – Sie ärgern sich jedes Mal, sagen aber nichts und wählen inzwischen einen anderen Weg zur Haustür. Im Großraumbüro telefoniert eine Kollegin in Dauerschleife auf Lautsprecher; Sie kaufen Kopfhörer, statt sie anzusprechen. In der Familien-Chatgruppe eskaliert eine politische Debatte – Sie stellen die Gruppe stumm und antworten wochenlang nicht.
Auffällig ist die Diskrepanz zwischen außen und innen: Nach außen wirken Sie gelassen, umgänglich, unkompliziert – der Mensch, mit dem es nie Ärger gibt. Innen läuft häufig ein anderes Programm: Der Ärger über den Vorgarten, die Telefonate, den Schwager ist ja nicht weg, er wird nur nicht adressiert. Manche Vermeidende führen ausgefeilte innere Monologe mit allem, was sie längst hätten sagen wollen.
Auf Dauer entstehen zwei Kosten. Erstens Umgehungsaufwand: andere Wege, Kopfhörer, stummgeschaltete Gruppen, abgesagte Feiern – Ihr Alltag organisiert sich zunehmend um nicht geführte Gespräche herum. Zweitens Beziehungsverzerrung: Ihr Umfeld hält Ihr Schweigen für Zustimmung und ist ehrlich überrascht, wenn nach Jahren doch etwas hervorbricht oder Sie innerlich längst gekündigt haben – als Freund, als Mitarbeiterin, als Vereinsmitglied.
Was können Sie jetzt tun?
Beginnen Sie mit einer Inventur statt mit Konfrontation: Listen Sie die Konflikte auf, die Sie derzeit umgehen, und bewerten Sie jeden nach zwei Kriterien – Wichtigkeit für Ihr Leben und Ihre Einflussmöglichkeit. Alles, was unwichtig oder unbeeinflussbar ist, dürfen Sie mit gutem Gewissen weiter meiden; das ist dann eine Entscheidung, keine Flucht. Übrig bleiben meist zwei, drei Themen, die es wirklich anzugehen lohnt.
Nehmen Sie sich davon das kleinste vor und senken Sie die Einstiegshürde: Kündigen Sie das Gespräch an („Ich würde gern kurz etwas mit dir besprechen – passt es morgen?“), bereiten Sie den ersten Satz wörtlich vor und beschränken Sie sich auf eine einzige konkrete Bitte. Schriftliche Vorstufen sind erlaubt: Eine ruhige Nachricht an den Nachbarn ist besser als das zwanzigste ausweichende Lächeln. Jede gelungene kleine Konfrontation rekalibriert Ihre Erwartung, denn meist bleibt die befürchtete Katastrophe aus.
Arbeiten Sie parallel an der Angstseite: Vermeiden speist sich oft aus überschätzten Kosten („Das gibt Riesenärger“) und unterschätzten eigenen Fähigkeiten. Fragen Sie sich vor jedem gemiedenen Gespräch: Was ist realistisch das Schlimmste – und wie wahrscheinlich ist es? Wenn hinter der Konfliktscheu massive Angst vor Ablehnung oder alte Erfahrungen mit eskalierender Wut stehen, kann eine begleitete Aufarbeitung, etwa in einer Beratungsstelle oder Psychotherapie, den Knoten lösen, den Selbsthilfe allein nicht erreicht.
Grenzen dieses Tests
Der Test unterscheidet nicht zwischen souveränem und ängstlichem Vermeiden – zwischen der Person, die Prioritäten setzt, und der Person, die sich nichts zu sagen traut. Beide kreuzen ähnlich an, brauchen aber Gegensätzliches: die eine gar nichts, die andere Übung und gegebenenfalls Unterstützung. Diese Unterscheidung können nur Sie selbst treffen, ehrlicherweise anhand Ihres Körpergefühls vor schwierigen Gesprächen.
Außerdem ist Vermeidung stark kontextabhängig: Viele Menschen weichen nur in einem Lebensbereich aus – etwa gegenüber Autoritäten oder in der Herkunftsfamilie – und streiten anderswo mühelos. Ein globaler Punktwert verdeckt solche Muster; wiederholen Sie den Test gedanklich für einzelne Bereiche, wenn Sie es genauer wissen wollen.
Quellen
- Thomas KW, Kilmann RH (1974). Thomas-Kilmann Conflict Mode Instrument. Tuxedo, NY: Xicom.
- Rahim MA (1983). A Measure of Styles of Handling Interpersonal Conflict. Academy of Management Journal, 26(2), 368-376.
- Blake RR, Mouton JS (1964). The Managerial Grid. Houston, TX: Gulf Publishing.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Konkurrierender Konfliktstil
Sie gehen in Auseinandersetzungen auf Sieg: klar, schnell, durchsetzungsstark. Das gewinnt Verhandlungen – und verliert auf Dauer Verbündete, wenn es zur einzigen Gangart wird.
- Kooperierender Konfliktstil
Sie behandeln Konflikte als gemeinsames Problem und suchen Lösungen, die alle Anliegen erfüllen. Der Königsweg – der nur dann trägt, wenn Zeit und Gegenüber mitspielen.
- Kompromissorientierter Konfliktstil
Ihr Reflex in Streitfragen: die Mitte finden, zügig einigen, weitermachen. Pragmatisch und fair – solange Sie nicht Dinge halbieren, die man besser ganz geklärt hätte.
- Nachgebender Konfliktstil
Sie stellen in Streitfragen die Beziehung über die Sache und kommen anderen weit entgegen. Großzügigkeit ist eine Stärke – bis Ihre eigenen Anliegen dauerhaft leer ausgehen.