Ihr Ergebnis · Risikobereitschaft-Test: Wie viel Wagnis passt zu Ihnen?
Sicherheitsorientiert (0–7 Punkte)
Sie wählen fast immer die abgesicherte Variante: planbar, geprüft, umkehrbar. Das schützt zuverlässig vor Verlusten – und lässt gelegentlich lohnende Gelegenheiten verstreichen.
Was bedeutet dieses Ergebnis?
Sie haben nahezu alle riskanten Optionen als unwahrscheinlich eingestuft und den beiden Absicherungsaussagen zugestimmt. Ihre Entscheidungslogik lautet damit: Ein sicherer, kleinerer Ertrag schlägt eine unsichere, größere Chance – und ein vermiedener Verlust wiegt schwerer als ein entgangener Gewinn. In der Entscheidungsforschung entspricht das einer stark ausgeprägten Verlustaversion bei zugleich geringem Bedürfnis nach Nervenkitzel.
Diese Haltung ist weder selten noch unvernünftig. In der SOEP-Befragung ordnet sich ein erheblicher Teil der deutschen Bevölkerung im vorsichtigen Drittel der Skala ein; im Durchschnitt antworten Frauen und ältere Menschen zurückhaltender als junge Männer. Evolutionär betrachtet hat Vorsicht ihre Träger zuverlässig am Leben gehalten – wer Gefahren doppelt prüfte, überlebte Fehleinschätzungen, die Draufgänger nicht überlebten.
Abzugrenzen ist Ihr Ergebnis von Ängstlichkeit als Gefühlszustand: Der Fragebogen erfasst Entscheidungspräferenzen, keine Emotionen. Man kann nüchtern und angstfrei zur sicheren Variante greifen – und umgekehrt trotz innerer Anspannung mutig entscheiden. Falls hinter Ihrer Vorsicht allerdings spürbare Furcht steht, die Wünsche blockiert, wäre das ein eigenes Thema jenseits dieses Profils.
Wie zeigt sich das im Alltag?
Bei Geldfragen erkennen Sie sich vermutlich wieder in Tagesgeld und Festgeld statt Einzelaktien, in umfassendem Versicherungsschutz und in langen Vergleichsrecherchen vor jedem größeren Kauf. Fehlgriffe passieren Ihnen dadurch selten. Die stille Kehrseite: Über Jahrzehnte kostet der komplette Verzicht auf renditestärkere Anlagen real Vermögen, weil die Inflation sichere Guthaben schleichend entwertet – Vorsicht hat einen Preis, er steht nur auf keiner Rechnung.
Im Beruf bevorzugen Sie bewährte Wege: die unbefristete Stelle vor dem Start-up, die vertraute Aufgabe vor dem ungewissen Projekt. Vorgesetzte und Kollegen schätzen Ihre Verlässlichkeit und Ihre Sorgfalt bei der Fehlersuche. Zugleich entgehen Menschen mit diesem Profil manchmal Entwicklungsschritte, die einen Sprung ins Ungewisse verlangen – die Bewerbung eine Ebene höher, der Wechsel ins neue Fachgebiet.
Privat zeigt sich das Muster in vertrauten Urlaubszielen, frühzeitigen Reservierungen und wohlüberlegten Zusagen. Reibung entsteht vor allem mit risikofreudigen Menschen im Nahumfeld: Sie erleben deren Spontaneität als Leichtsinn, während man Ihnen Bremserei vorwirft. Solche Paarungen scheitern selten an den Fakten – sondern daran, dass beide Seiten die Risikowahrnehmung des anderen für einen Charakterfehler halten.
Was können Sie jetzt tun?
Nutzen Sie Ihre Stärke gezielt: Gründliche Risikoprüfung ist eine gefragte Kompetenz – in Teams, in Familienentscheidungen, bei Verträgen. Ergänzen Sie Ihre Entscheidungsregel jedoch um eine zweite Spalte: Beziffern Sie neben dem möglichen Verlust auch die Kosten des Nichthandelns. Was kostet es konkret, zehn weitere Jahre zu warten – an Geld, an Erfahrung, an Lebensqualität? Erst mit beiden Spalten ist eine vorsichtige Entscheidung wirklich informiert.
Erweitern Sie Ihren Spielraum über kleine, umkehrbare Wagnisse mit strikt begrenztem Einsatz: ein unbekanntes Gericht, ein Kurs in einem fremden Gebiet, ein bescheidener monatlicher Sparplan in einen breit gestreuten Fonds. Solche Mikroexperimente liefern die körperliche Erfahrung, dass Unsicherheit aushaltbar ist und schlechte Ausgänge verkraftbar sind – genau diese Erfahrung fehlt sehr vorsichtigen Menschen oft, nicht der Verstand.
Prüfen Sie ehrlich die Grenze zur Vermeidung: Wenn Sie wichtige eigene Wünsche – Ortswechsel, Berufswechsel, Beziehungsschritte – seit Jahren aufschieben und dabei Bedauern empfinden, arbeitet Ihre Vorsicht womöglich gegen Sie. Ein Gespräch mit einer neutralen Person, etwa in einer psychologischen Beratungsstelle, kann klären, ob Präferenz oder Furcht die Feder führt.
Grenzen dieses Tests
Abgefragt wurden hypothetische Szenarien; unter echtem Entscheidungsdruck verhalten sich Menschen teils anders, als sie ankreuzen – in beide Richtungen. Ihr reales Verhalten der letzten Jahre ist deshalb die bessere Referenz als jede Punktzahl.
Zudem verdeckt ein niedriger Gesamtwert mögliche Ausnahmebereiche: Vielleicht sind Sie sozial durchaus mutig und nur finanziell streng konservativ. Werfen Sie einen Blick auf Ihre einzelnen Antworten, bevor Sie sich pauschal als vorsichtig einordnen.
Quellen
- Blais A-R, Weber EU (2006). A Domain-Specific Risk-Taking (DOSPERT) scale for adult populations. Judgment and Decision Making, 1(1), 33–47.
- Weber EU, Blais A-R, Betz NE (2002). A domain-specific risk-attitude scale: Measuring risk perceptions and risk behaviors. Journal of Behavioral Decision Making, 15(4), 263–290.
- Dohmen T, Falk A, Huffman D, Sunde U, Schupp J, Wagner GG (2011). Individual risk attitudes: Measurement, determinants, and behavioral consequences. Journal of the European Economic Association, 9(3), 522–550.
Weitere mögliche Ergebnisse
- Abwägender Risikostil (8–15 Punkte)
Sie gehen Wagnisse ein, wenn Aussicht und Absicherung im Verhältnis stehen. Ihr Profil liegt im mittleren Bereich – flexibel, mit klarer Vorliebe für kalkulierbare Schritte.
- Risikofreudig (16–23 Punkte)
Unsicherheit reizt Sie mehr, als sie Sie abschreckt: Sie greifen zu, wo andere zögern. Das eröffnet Chancen – sofern Sie Verluste systematisch begrenzen.
- Sehr hohe Risikobereitschaft (24–30 Punkte)
Sie haben fast jeder riskanten Option zugestimmt und Absicherung eher abgelehnt. So viel Wagemut braucht harte Leitplanken, damit ein einzelner Fehlschlag nicht alles kostet.