Risikobereitschaft-Test: Wie viel Wagnis passt zu Ihnen?
Zehn Entscheidungssituationen aus Finanzen, Beruf, Freizeit und sozialem Leben zeigen, wie bereitwillig Sie Unsicherheit in Kauf nehmen – vom sicherheitsorientierten bis zum sehr risikofreudigen Profil.
Worum geht es in diesem Test?
Risikobereitschaft beschreibt, wie attraktiv oder abschreckend Sie Entscheidungen mit ungewissem Ausgang finden: die Geldanlage ohne Garantie, den Jobwechsel ins Unbekannte, den unmarkierten Wanderpfad, die unpopuläre Meinung vor Publikum. Die Entscheidungsforschung zeigt dabei ein wiederkehrendes Muster – kaum jemand ist überall gleich mutig. Deshalb stellt dieser Test Situationen aus mehreren Lebensbereichen nebeneinander, statt nur eine allgemeine Frage zu stellen.
Sie schätzen bei jeder Situation ein, wie wahrscheinlich Sie sich so verhalten würden, und erhalten daraus eine Summe von 0 bis 30 Punkten sowie eines von vier Risikoprofilen. Zu jedem Profil beschreiben wir, welche Entscheidungslogik dahintersteht, wo seine Stärken liegen, welche typischen Fehler ihm drohen und mit welchen Strategien Sie Ihre Neigung produktiv einsetzen, statt von ihr gesteuert zu werden.
Der Test lohnt sich vor größeren Weichenstellungen – Geldanlage, Selbstständigkeit, Umzug –, beim Abgleich mit einer Partnerin oder einem Partner, der tickt wie das eigene Gegenteil, oder einfach aus Neugier, wo Sie im Spektrum stehen. Ein moralisches Urteil ist nicht enthalten: Weder Vorsicht noch Wagemut sind an sich besser; entscheidend ist die Passung zu Zielen und Lebenslage.
Mögliche Ergebnisse
- Sicherheitsorientiert (0–7 Punkte)
Sie wählen fast immer die abgesicherte Variante: planbar, geprüft, umkehrbar. Das schützt zuverlässig vor Verlusten – und lässt gelegentlich lohnende Gelegenheiten verstreichen.
- Abwägender Risikostil (8–15 Punkte)
Sie gehen Wagnisse ein, wenn Aussicht und Absicherung im Verhältnis stehen. Ihr Profil liegt im mittleren Bereich – flexibel, mit klarer Vorliebe für kalkulierbare Schritte.
- Risikofreudig (16–23 Punkte)
Unsicherheit reizt Sie mehr, als sie Sie abschreckt: Sie greifen zu, wo andere zögern. Das eröffnet Chancen – sofern Sie Verluste systematisch begrenzen.
- Sehr hohe Risikobereitschaft (24–30 Punkte)
Sie haben fast jeder riskanten Option zugestimmt und Absicherung eher abgelehnt. So viel Wagemut braucht harte Leitplanken, damit ein einzelner Fehlschlag nicht alles kostet.
Methodik & Hintergrund
Fachlicher Hintergrund ist die Forschung zur domänenspezifischen Risikoneigung, insbesondere die DOSPERT-Skala (Weber, Blais & Betz 2002; Blais & Weber 2006). Deren zentrale Erkenntnis: Risikobereitschaft ist kein einheitlicher Wesenszug, sondern variiert zwischen Bereichen wie Finanzen, Gesundheit, Freizeit und Sozialem – dieselbe Person kann waghalsig klettern und zugleich jede Aktie meiden. Ergänzend belegt die deutsche SOEP-Studie mit über 20.000 Befragten (Dohmen et al. 2011), dass schon eine einfache Selbsteinschätzung der Risikoneigung reales Verhalten wie Selbstständigkeit oder Wertpapierbesitz vorhersagt.
Der Aufbau: zehn Situationen aus fünf Lebensbereichen (Geldanlage, Beruf, Freizeit und Gesundheit, soziales Auftreten, Konsum und Alltag), jeweils bewertet auf einer vierstufigen Wahrscheinlichkeitsskala von 0 bis 3. Zwei Aussagen sind umgekehrt gepolt – sie beschreiben Absicherungsverhalten und werden gespiegelt gezählt. Die Summe von 0 bis 30 wird in vier Profile unterteilt.
Grenzen benennen wir offen: Dies ist eine Kurzform ohne Normstichprobe, die Profilgrenzen sind inhaltlich begründet statt empirisch geeicht, und abgefragt werden hypothetische Situationen, nicht Ihr dokumentiertes Verhalten. Der Test liefert eine strukturierte Selbsteinschätzung als Denkanstoß – keine Eignungsprüfung für Finanzentscheidungen und keine psychologische Begutachtung.
Häufige Fragen
Gibt es eine richtige oder ideale Risikobereitschaft?
Nein. Angemessen ist, was zu Ihren Zielen, Ihrer Lebensphase und Ihrer Tragfähigkeit passt: Wer Verantwortung für eine Familie trägt, braucht andere Puffer als jemand ohne Verpflichtungen; wer Vermögen über Jahrzehnte aufbaut, kann Schwankungen anders aushalten als jemand kurz vor der Rente. Problematisch sind nur die Ränder – Vorsicht, die wichtige Lebensziele dauerhaft blockiert, und Wagemut ohne jede Verlustbegrenzung.
Ist Risikobereitschaft angeboren oder veränderbar?
Beides trifft zu. Zwillingsstudien zeigen einen erblichen Anteil, und die Neigung ist über Jahre hinweg relativ stabil. Zugleich verändert sie sich systematisch: Sie sinkt im Bevölkerungsdurchschnitt mit dem Alter, und persönliche Erfahrungen – etwa erlebte Verluste oder gelungene Wagnisse – verschieben sie bereichsweise. Trainierbar ist vor allem der Umgang mit der eigenen Neigung: Absicherungsroutinen für Mutige, Mikroexperimente für Vorsichtige.
Warum bin ich in manchen Lebensbereichen mutig und in anderen vorsichtig?
Weil Risikobereitschaft domänenspezifisch ist – das ist der zentrale Befund der DOSPERT-Forschung. Ob eine Option riskant wirkt, hängt davon ab, wie vertraut Ihnen der Bereich ist, wie Sie die Gefahr wahrnehmen und welchen Nutzen Sie erwarten. Eine erfahrene Kletterin empfindet die Steilwand als kontrollierbar, die Börse dagegen als Blackbox; beim Banker ist es umgekehrt. Kompetenz senkt die wahrgenommene Gefahr.
Sagt der Test etwas über Spielsucht oder problematisches Risikoverhalten aus?
Nein, dafür ist er nicht gebaut. Hohe Risikofreude ist ein Persönlichkeitsmerkmal, problematisches Glücksspiel dagegen ein Verhaltensmuster mit Kontrollverlust, das eigene Kriterien hat. Wenn Sie Einsätze steigern, Verluste zurückjagen oder das Spielen verheimlichen, wenden Sie sich an die kostenlose Beratung der BZgA-Telefonberatung zur Glücksspielsucht unter 0800 137 27 00 oder an eine örtliche Suchtberatungsstelle.
Wie schneide ich im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt ab?
Ein exakter Vergleich ist mit dieser Kurzform nicht möglich, weil ihr eine Normstichprobe fehlt. Als grobe Referenz taugt die deutsche SOEP-Befragung: Dort ordnen sich die meisten Menschen im mittleren Bereich der Risikoskala ein, ausgeprägt hohe Selbsteinschätzungen sind klar in der Minderheit, und die Neigung nimmt mit dem Alter ab. Ihr Profil hier zeigt die Richtung, nicht Ihren Prozentrang.
Quellen
- Blais A-R, Weber EU (2006). A Domain-Specific Risk-Taking (DOSPERT) scale for adult populations. Judgment and Decision Making, 1(1), 33–47.
- Weber EU, Blais A-R, Betz NE (2002). A domain-specific risk-attitude scale: Measuring risk perceptions and risk behaviors. Journal of Behavioral Decision Making, 15(4), 263–290.
- Dohmen T, Falk A, Huffman D, Sunde U, Schupp J, Wagner GG (2011). Individual risk attitudes: Measurement, determinants, and behavioral consequences. Journal of the European Economic Association, 9(3), 522–550.
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