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Essstörung

Essstörungen sind ernsthafte psychische Erkrankungen, bei denen Essen, Figur und Gewicht das Denken, Fühlen und Handeln dominieren. Sie betreffen Menschen jeden Geschlechts und Alters und gehören zu den psychischen Störungen mit den gravierendsten körperlichen Folgen.

Wichtig vorab: Kein Online-Text und kein Selbsttest kann eine Diagnose stellen. Dieser Eintrag ordnet Begriffe ein und nennt Anlaufstellen.

Die drei Hauptformen

Bei der Anorexia nervosa wird das Gewicht durch stark eingeschränkte Nahrungsaufnahme, teils kombiniert mit exzessiver Bewegung, unter ein gesundes Maß gedrückt; begleitend besteht eine ausgeprägte Angst vor Zunahme. Die Bulimia nervosa ist durch wiederkehrende Essanfälle mit Kontrollverlust gekennzeichnet, auf die kompensatorische Maßnahmen wie Erbrechen, Abführmittel oder Fastenperioden folgen.

Die Binge-Eating-Störung – die häufigste Form – umfasst regelmäßige Essanfälle ohne anschließende Gegenmaßnahmen, oft begleitet von starker Scham. Daneben existieren atypische und Mischbilder, die ähnlich behandlungsbedürftig sind, auch wenn sie kein Diagnoseschema exakt erfüllen.

Der gemeinsame Kern

Christopher Fairburn beschrieb in seinem transdiagnostischen Modell einen Mechanismus, der die Formen verbindet: Der Selbstwert wird fast ausschließlich über Figur, Gewicht und deren Kontrolle definiert. Diäten, Essanfälle, Kompensation und ständiges Körperkontrollieren lassen sich daraus als Folgeglieder ableiten.

Das erklärt auch die häufigen Übergänge zwischen den Diagnosen im Krankheitsverlauf: Aus restriktivem Essen entwickeln sich nicht selten Essanfälle, weil biologischer Hunger und rigide Verbotsregeln kollidieren.

Warnzeichen ernst nehmen

Aufhorchen lassen sollten: heimliches Essen oder Essensverweigerung in Gesellschaft, wachsende Verbotslisten, Gänge zur Toilette direkt nach Mahlzeiten, deutliche Gewichtsveränderungen in kurzer Zeit, Ausbleiben der Menstruation, ständiges Frieren sowie sozialer Rückzug rund um gemeinsame Mahlzeiten.

Je früher gegengesteuert wird, desto besser die Prognose – die Behandlung wirkt in frühen Stadien deutlich schneller, und körperliche Schäden an Herz, Knochen und Zähnen lassen sich begrenzen.

Erste Schritte zu professioneller Hilfe

Ein guter Einstieg ist die Hausarztpraxis: Dort werden körperliche Werte kontrolliert und Überweisungen gebahnt. Parallel lässt sich ohne Überweisung eine psychotherapeutische Sprechstunde vereinbaren; freie Termine vermittelt die Terminservicestelle unter der 116 117.

Wer zunächst anonym sprechen möchte, erreicht das BZgA-Infotelefon zu Essstörungen unter 0221 892031 – dort gibt es auch Hinweise auf Beratungsstellen in der Nähe. Angehörige dürfen sich an dieselben Stellen wenden; sie müssen keine Diagnose mitbringen, ein begründetes Bauchgefühl reicht als Anlass völlig aus.

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Quellen

  • Fairburn, C. G., Cooper, Z. & Shafran, R. (2003). Cognitive behaviour therapy for eating disorders: a transdiagnostic theory and treatment. Behaviour Research and Therapy.
  • Fairburn, C. G. (2008). Cognitive Behavior Therapy and Eating Disorders. Guilford Press.