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Selbstwert

Selbstwert bezeichnet die zusammenfassende Bewertung, die eine Person über sich selbst abgibt: Halte ich mich – alles in allem – für wertvoll, fähig und liebenswert? Anders als das Selbstbild, das beschreibt, wer man ist, drückt der Selbstwert aus, wie man dieses Bild bewertet.

Die Forschung unterscheidet zwischen der Höhe des Selbstwerts (hoch vs. niedrig) und seiner Stabilität. Ein mittelhoher, aber stabiler Selbstwert schützt psychisch oft besser als ein hoher, der bei jeder Kritik einbricht.

Woraus sich Selbstwert speist

Der Selbstwert entwickelt sich aus Rückmeldungen wichtiger Bezugspersonen, aus Erfolgs- und Misserfolgserfahrungen sowie aus Vergleichen mit anderen. In der Kindheit wiegt das Echo der Eltern besonders schwer: Wer erlebt, dass Zuwendung an Leistung geknüpft ist, lernt häufig, den eigenen Wert an Bedingungen zu koppeln.

Im Erwachsenenalter tragen mehrere Quellen bei – Kompetenzerleben im Beruf, tragfähige Beziehungen, körperliche Selbstakzeptanz und das Gefühl, nach eigenen Maßstäben zu handeln. Je breiter diese Basis, desto weniger reißt ein Rückschlag in einem einzelnen Bereich das Gesamturteil nach unten.

Kontingenter Selbstwert: Wert unter Vorbehalt

Psychologisch heikel ist ein sogenannter kontingenter Selbstwert: Die Person fühlt sich nur dann in Ordnung, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind – Bestnoten, Anerkennung, ein bestimmtes Gewicht. Jede dieser Bedingungen wird zur potenziellen Bruchstelle.

Typische Folgen sind Perfektionismus, starke Prüfungs- und Bewertungsangst sowie ein ständiges inneres Punktekonto. Menschen mit stark bedingtem Selbstwert meiden zudem Situationen, in denen sie scheitern könnten, und verpassen dadurch genau die Erfahrungen, die ihr Urteil über sich korrigieren würden.

Wie Selbstwert gemessen wird

Das international meistgenutzte Instrument ist die Rosenberg Self-Esteem Scale von 1965: zehn Aussagen wie „Ich besitze eine Reihe guter Eigenschaften“, die auf einer vierstufigen Skala eingeschätzt werden. Trotz ihres Alters gilt die Skala als robust und wurde in Dutzende Sprachen übersetzt.

Fragebogenwerte bilden allerdings das explizite, bewusst berichtete Selbstwertgefühl ab. Daneben existieren implizite Verfahren, die automatische Selbstbewertungen erfassen; beide Ebenen können auseinanderfallen, etwa wenn jemand nach außen selbstsicher urteilt, auf Fehler aber mit heftiger innerer Abwertung reagiert.

Was den Selbstwert im Alltag festigt

Wirksam ist weniger positives Denken als korrigierende Erfahrung: kleine, realistische Vorhaben abschließen und den eigenen Anteil daran ausdrücklich anerkennen. Ein Erfolgsjournal mit drei konkreten Einträgen pro Tag macht solche Belege sichtbar, bevor der innere Zensor sie wegerklärt.

Ebenso zählt der Umgang mit Fehlern. Wer nach einem Patzer denselben Ton anschlägt, den er gegenüber einem guten Freund wählen würde, unterbricht die Abwertungsspirale. Bleibt das Selbstwertgefühl über lange Zeit stark gedrückt und leidet die Lebensführung darunter, ist eine psychotherapeutische Abklärung sinnvoll, denn ein chronisch niedriger Selbstwert begleitet viele behandelbare Störungen.

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Zum Weiterlesen

Quellen

  • Rosenberg, M. (1965). Society and the Adolescent Self-Image. Princeton University Press.
  • Orth, U. & Robins, R. W. (2014). The Development of Self-Esteem. Current Directions in Psychological Science.