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Planungsfehlschluss

Der Planungsfehlschluss (planning fallacy) ist die systematische Tendenz, die Dauer, Kosten und Risiken eines Vorhabens zu unterschätzen – und das selbst dann, wenn man weiß, dass vergleichbare Projekte in der Vergangenheit länger gedauert haben. Beschrieben wurde das Phänomen 1979 von Daniel Kahneman und Amos Tversky.

Bemerkenswert ist die Asymmetrie: Die Prognosen für eigene Projekte fallen zu rosig aus, während dieselben Personen die Vorhaben anderer oft recht treffend einschätzen.

Klassische Befunde und Alltagsbeispiele

In der bekannten Studie von Buehler, Griffin und Ross (1994) sollten Studierende den Abgabetermin ihrer Abschlussarbeit vorhersagen. Im Mittel schätzten sie 34 Tage; tatsächlich brauchten sie 55. Selbst die pessimistische Schätzung ("falls alles schiefgeht") wurde im Schnitt gerissen. Nur 30 Prozent wurden in der selbst prognostizierten Zeit fertig.

Großprojekte liefern drastischere Zahlen: Das Opernhaus von Sydney wurde zehn Jahre später und um ein Vielfaches teurer fertig als geplant, der Berliner Flughafen BER öffnete mit neun Jahren Verspätung. Bent Flyvbjergs Datenbank zu Infrastrukturprojekten zeigt Kostenüberschreitungen als Regel, nicht als Ausnahme.

Warum die Innensicht in die Irre führt

Beim Planen konstruieren Menschen ein Szenario des Gelingens: Sie denken die Schritte durch, wie sie idealerweise ablaufen. Störungen – Krankheit, Wartezeiten, konkurrierende Aufgaben, Motivationstiefs – sind einzeln unwahrscheinlich und tauchen im Szenario nicht auf; irgendeine davon tritt aber fast sicher ein. Kahneman nennt das die Innensicht.

Verstärkend wirken Wunschdenken (frühe Termine sind attraktiv), strategische Anreize (optimistische Angebote gewinnen Ausschreibungen) und das Gedächtnis, das vergangene Verzögerungen als untypische Sonderfälle ablegt statt als Muster.

Das Gegenmittel: die Außensicht

Die wirksamste Korrektur ist das Referenzklassen-Verfahren: Statt das eigene Projekt von innen durchzuspielen, fragt man, wie lange vergleichbare Vorhaben tatsächlich gedauert haben, und nimmt diese Verteilung als Ausgangspunkt. Die eigene Schätzung wird dann nur noch begründet nach oben oder unten angepasst.

Buehler und Kollegen zeigten zudem: Wer gezielt an eigene frühere Projekte erinnert wird und deren Verlauf mit dem aktuellen Plan verknüpfen muss, prognostiziert deutlich realistischer. Die Information ist also vorhanden – sie wird beim Planen nur nicht abgerufen.

Praktische Regeln für realistische Pläne

Für Alltagsprojekte genügen drei Gewohnheiten. Erstens Ist-Zeiten erfassen: Wer eine Woche lang misst, wie lange Routineaufgaben wirklich dauern, gewinnt eine persönliche Referenzklasse. Zweitens Puffer nicht pauschal, sondern datenbasiert setzen – bei den meisten Wissensarbeiten liegt der Faktor zwischen dem 1,5- und 2-Fachen der Erstschätzung. Drittens Aufgaben in Teilschritte unter zwei Stunden zerlegen; kleine Einheiten werden nachweislich genauer geschätzt.

Bei Terminzusagen an andere hilft die Trennung von Ziel und Zusage: intern das ambitionierte Datum verfolgen, extern das aus der Referenzklasse abgeleitete kommunizieren. In Teams lohnt es sich zudem, Schätzungen zunächst unabhängig voneinander einzuholen und erst danach zu diskutieren – gemeinsames Brainstorming verankert sonst die erste optimistische Zahl.

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Quellen