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Typ-A-Verhalten

Typ-A-Verhalten bezeichnet ein Muster aus chronischer Eile, ausgeprägtem Wettbewerbsdenken, hohem Leistungsanspruch und leicht auslösbarer Feindseligkeit. Typ-A-Personen tun mehrere Dinge gleichzeitig, unterbrechen langsame Gesprächspartner, empfinden Warten als Zumutung und messen den eigenen Wert an Erreichtem.

Das Gegenstück, Typ B, beschreibt Menschen mit gelassenerem Arbeitsstil, die konkurrieren können, ohne getrieben zu wirken. Beide Muster sind Verhaltensstile, keine Diagnosen – und die meisten Menschen zeigen Mischformen.

Eine Entdeckung aus dem Wartezimmer

Die Kardiologen Meyer Friedman und Ray Rosenman fielen in den 1950er-Jahren zunächst über ein Detail: Die Stuhlkanten in ihrem Wartezimmer waren ungewöhnlich abgewetzt – ihre Herzpatienten saßen buchstäblich auf dem Sprung. 1959 beschrieben sie das Verhaltensmuster systematisch und berichteten in der Western Collaborative Group Study, dass Typ-A-Männer über achteinhalb Jahre etwa doppelt so häufig koronare Herzkrankheiten entwickelten wie Typ-B-Männer.

Die Befunde machten das Konzept weltberühmt und begründeten ein neues Feld: die Verhaltensmedizin. Erstmals wurde ein psychologischer Stil ernsthaft als eigenständiger Risikofaktor neben Rauchen, Blutdruck und Cholesterin diskutiert.

Die Bestandteile des Musters

Drei Komponenten gelten als Kern. Erstens Zeitdringlichkeit ("hurry sickness"): das Gefühl, permanent gegen die Uhr zu leben, erkennbar an schnellem Sprechen, Sätze-Beenden für andere und Multitasking selbst in der Freizeit. Zweitens Wettbewerbs- und Leistungsorientierung: Alles wird zum Vergleich, auch Hobbys und Urlaube. Drittens Feindseligkeit: Zynismus, Misstrauen und schnelle Gereiztheit gegenüber vermeintlichen Hindernissen und Menschen.

Erfasst wurde das Muster ursprünglich im strukturierten Interview, das gezielt provoziert und dabei Sprechweise und Körpersprache bewertet; später kamen Fragebögen wie die Jenkins Activity Survey hinzu. Interview und Fragebogen identifizieren teils unterschiedliche Personen – ein früher Hinweis darauf, dass das Konstrukt heterogen ist.

Was von der Herzinfarkt-These übrig blieb

Spätere Großstudien konnten den globalen Zusammenhang zwischen Typ A und Herzerkrankung oft nicht replizieren; Metaanalysen wie die von Myrtek (2001) fanden für das Gesamtmuster praktisch keinen prospektiven Effekt. Die Forschung zerlegte das Konstrukt daraufhin in seine Teile – mit klarem Ergebnis: Die toxische Zutat ist die Feindseligkeitskomponente.

Chronischer Ärger und zynisches Misstrauen gehen mit erhöhter kardiovaskulärer Reaktivität, mehr Entzündungsmarkern und schlechterer Prognose einher, während Ehrgeiz und Tempo für sich genommen kaum Risiko tragen. Wer schnell arbeitet und gern gewinnt, aber wohlwollend bleibt, hat vom klassischen Risikoprofil wenig zu befürchten.

Das Muster entschärfen, den Antrieb behalten

Ansatzpunkt Nummer eins ist der Ärger: Auslöser protokollieren, Frühzeichen (Hitze, Kieferdruck, Sarkasmus) erkennen und mit Unterbrecher-Routinen beantworten – Raum wechseln, drei langsame Atemzüge, erst dann reagieren. Das Recurrent Coronary Prevention Project zeigte in den 1980er-Jahren, dass gezielte Verhaltensänderung bei Infarktpatienten die Rückfallrate erheblich senkte; veränderbar ist das Muster also nachweislich.

Gegen die Zeitkrankheit helfen strukturelle Eingriffe statt guter Vorsätze: Puffer zwischen Terminen, Einzelaufgaben statt Parallelbetrieb, bewusst langsame Aktivitäten ohne Messbarkeit – Spazieren ohne Schrittzähler, Kochen ohne Podcast. Ehrgeiz braucht dafür nicht zu weichen; er bekommt lediglich einen Rhythmus, den Gefäße und Beziehungen langfristig mittragen.

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Quellen

  • Friedman, M. & Rosenman, R. H. (1959). Association of specific overt behavior pattern with blood and cardiovascular findings. JAMA, 169(12), 1286–1296.
  • Myrtek, M. (2001). Meta-analyses of prospective studies on coronary heart disease, type A personality, and hostility. International Journal of Cardiology, 79(2–3), 245–251.