Hostilität
Hostilität bezeichnet eine überdauernde feindselige Grundhaltung gegenüber anderen Menschen. Sie ist keine einzelne Emotion, sondern ein Einstellungsmuster mit drei Ebenen: zynische Überzeugungen und Misstrauen (kognitiv), häufige Ärgerbereitschaft (affektiv) sowie offene oder verdeckte Aggression (behavioral).
Erfasst wird das Merkmal klassisch mit der Cook-Medley-Hostility-Skala, die ursprünglich aus MMPI-Items zusammengestellt wurde und vor allem den zynischen Kern misst. Das Merkmal erweist sich als bemerkenswert stabil über die Zeit und zeigt sich in wiederkehrenden Mustern der Weltdeutung.
Das toxische Element des Typ-A-Musters
Das einst populäre Typ-A-Verhaltensmuster – Ehrgeiz, Eile, Konkurrenzdenken – erwies sich als Ganzes als schwacher Prädiktor für Herzerkrankungen. Bei genauerer Zerlegung blieb eine Komponente übrig, die das Risiko tatsächlich trägt: die Feindseligkeit.
Langzeitstudien und Metaanalysen verknüpfen hohe Hostilität mit koronarer Herzkrankheit und erhöhter Gesamtsterblichkeit. Als Mechanismen gelten eine überschießende Herz-Kreislauf-Reaktivität in Konflikten, ungünstigeres Gesundheitsverhalten und dünnere soziale Netze – Misstrauen vertreibt auf Dauer Unterstützer.
Die feindselige Attributionsverzerrung
Hostilität nährt sich aus einem Wahrnehmungsfehler: Mehrdeutiges Verhalten wird bevorzugt als absichtliche Provokation gelesen. Der Kollege, der nicht grüßt, „ignoriert mich demonstrativ“ – dass er in Gedanken war, kommt als Erklärung nicht vor.
Das Muster stabilisiert sich selbst: Wer Angriff erwartet, tritt kühl oder schneidend auf, erntet dadurch tatsächlich Ablehnung und sieht sein Weltbild bestätigt. Aus einer Annahme wird eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.
Abgrenzung zu Wut und Aggressivität
Wut ist ein vorübergehender Affekt, Aggression ein Verhalten – Hostilität dagegen die dahinterliegende Einstellung, die beides wahrscheinlicher macht. Man kann selten wütend werden und trotzdem hochgradig zynisch auf Menschen blicken; gesundheitlich relevant ist vor allem diese chronische Grundierung.
Was gegen den Zynismus hilft
Wirksame Ansätze kombinieren Ärgermanagement mit kognitiver Arbeit an den Misstrauensüberzeugungen: Belege für und gegen die unterstellte Absicht sammeln, alternative Erklärungen generieren, Vorhersagen über andere aktiv testen.
Ein niedrigschwelliger Start: eine Woche lang jede Kränkungsdeutung notieren und daneben zwei harmlose Erklärungen für dasselbe Verhalten. Dazu kleine Vertrauensexperimente – jemanden um einen Gefallen bitten, eine Information teilen – und das Ergebnis nüchtern protokollieren.
Auch körperliche Aktivität hilft: Sie baut überschüssige Anspannung ab und senkt die Grundaktivierung der Stresssysteme. Langfristig wirksam sind zudem Achtsamkeitsübungen, die das reflexhafte Bewerten verlangsamen und Raum für Wahlmöglichkeiten schaffen. In schweren Fällen kann eine kognitiv-behaviorale Therapie angezeigt sein, die gezielt die feindseligen Überzeugungen bearbeitet.
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Zum Weiterlesen
Quellen
- Cook, W. W. & Medley, D. M. (1954). Proposed hostility and pharisaic-virtue scales for the MMPI. Journal of Applied Psychology.
- Miller, T. Q. et al. (1996). A meta-analytic review of research on hostility and physical health. Psychological Bulletin.