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Sozialer Jetlag

Sozialer Jetlag beschreibt die Diskrepanz zwischen der inneren biologischen Zeit eines Menschen und den Anforderungen seiner sozialen Umwelt – besonders der Arbeits- oder Schulzeit. Während klassischer Jetlag durch Zeitzonenwechsel entsteht und sich innerhalb von Tagen auflöst, ist sozialer Jetlag ein chronischer Zustand: Woche für Woche lebt man gegen die eigene Uhr.

Geprägt wurde der Begriff von Till Roenneberg und seinem Team am Institut für Medizinische Psychologie der Universität München, die seit Anfang der 2000er-Jahre zeigen konnten, dass dieses Phänomen weit verbreitet ist und gesundheitliche Folgen hat.

Wie sozialer Jetlag entsteht

Die innere Uhr bestimmt, wann ein Mensch von allein müde wird und wann er ausgeschlafen aufwacht. Für einen ausgeprägten Abendtyp – eine sogenannte Eule – liegt dieser natürliche Rhythmus mehrere Stunden später als bei einem Morgentyp. Beginnt die Arbeit oder Schule früh, muss die Eule systematisch früher aufstehen, als ihr Körper bereit wäre.

Unter der Woche sammelt sich dadurch ein Schlafdefizit an; am Wochenende schläft der Betroffene länger, um dieses Defizit auszugleichen. Die Differenz zwischen der Schlafmitte an Arbeitstagen und der Schlafmitte an freien Tagen ist das Maß für den sozialen Jetlag – typischerweise angegeben in Stunden. Ein sozialer Jetlag von zwei Stunden bedeutet etwa: Man lebt werktags zwei Zeitzonen westlich von der eigenen inneren Uhr.

Verbreitung und Risikogruppen

Roennebergs Daten aus dem Munich ChronoType Questionnaire zeigen, dass über die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung unter sozialem Jetlag leidet, bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen – deren innere Uhr entwicklungsbedingt ohnehin spät läuft – ist die Quote noch höher. Besonders betroffen sind Abendtypen in starren Arbeits- oder Schulzeitsystemen.

Auch Schichtarbeit kann sozialen Jetlag verursachen: Wer als Morgentyp regelmäßig Nachtschichten leisten muss, arbeitet permanent gegen seine Biologie, mit vergleichbaren Folgen.

Gesundheitliche Folgen

Sozialer Jetlag geht mit einem erhöhten Risiko für Übergewicht, metabolisches Syndrom, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher. Ein Grund: Der gestörte Schlaf-Wach-Rhythmus beeinflusst Stoffwechselhormone wie Insulin und Leptin. Hinzu kommt, dass Menschen mit sozialem Jetlag öfter zu Nikotin, Alkohol und Koffein greifen – möglicherweise als Bewältigungsversuch.

Auch psychisch macht sich das Missverhältnis bemerkbar: Chronischer Schlafmangel unter der Woche, gefolgt von langen Erholungsphasen am Wochenende, geht mit schlechterer Stimmung, verminderter Konzentration und höherer Anfälligkeit für depressive Verstimmungen einher.

Was sich tun lässt

Die wirksamste Maßnahme ist strukturell: Gleitzeit, spätere Schulanfangszeiten oder individuell angepasste Schichtpläne verringern den Konflikt zwischen innerer und sozialer Zeit. Wo das nicht möglich ist, helfen Lichtstrategien: Helles Licht direkt nach dem Aufstehen zieht die innere Uhr nach vorn, gedimmte Beleuchtung ab dem späten Abend lässt sie weniger nach hinten driften.

Wichtig ist auch, die Schlafzeiten am Wochenende nicht völlig ausufern zu lassen – extreme Ausschlaf-Phasen werfen die Uhr jedes Mal zurück und verstärken den wöchentlichen Jetlag-Kreislauf. Eine Verschiebung von maximal einer bis zwei Stunden zwischen Wochentagen und freien Tagen gilt als verträglicher Kompromiss.

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Quellen