Screening
Screening bezeichnet in der psychologischen Diagnostik eine kurze, breit einsetzbare Voruntersuchung, die Personen mit erhöhter Wahrscheinlichkeit für ein Problem herausfiltert. Ein Screening beantwortet nicht die Frage „Liegt eine Störung vor?“, sondern die bescheidenere: „Lohnt sich eine gründliche Abklärung?“
Typische Formate sind Kurzfragebögen mit fünf bis zwanzig Items, die in wenigen Minuten ausgefüllt sind und anhand eines Schwellenwerts (Cut-off) ausgewertet werden.
Abgrenzung zur Diagnostik
Eine Diagnose entsteht erst durch ein strukturiertes klinisches Gespräch, in dem Fachpersonen Symptome, Dauer, Leidensdruck, Ausschlussgründe und Differenzialdiagnosen prüfen. Das Screening liefert dafür lediglich einen Anfangsverdacht – vergleichbar einem Rauchmelder, der Alarm schlägt, aber nicht sagt, wo es brennt.
Daraus folgt die zentrale Regel: Ein auffälliger Screeningwert begründet einen Abklärungstermin, ein unauffälliger schließt eine Erkrankung nicht sicher aus. Wer trotz niedriger Punktzahl erheblich leidet, sollte sich davon nicht abhalten lassen, Hilfe zu suchen.
Sensitivität, Spezifität und der Cut-off
Die Güte eines Screenings beschreibt man mit zwei Kennzahlen: Sensitivität ist der Anteil tatsächlich Betroffener, den das Verfahren erkennt; Spezifität der Anteil Gesunder, den es korrekt als unauffällig einstuft. Beide stehen in einem Zielkonflikt, den der gewählte Cut-off austariert.
Ein niedriger Schwellenwert übersieht wenig, produziert aber viele Fehlalarme; ein hoher kehrt das Verhältnis um. Wie viele der positiv Gescreenten wirklich betroffen sind, hängt zusätzlich von der Häufigkeit der Störung in der untersuchten Gruppe ab – in der Allgemeinbevölkerung ist selbst bei gutem Instrument ein beträchtlicher Teil der Treffer falsch-positiv.
Etablierte Instrumente
Zu den international am besten untersuchten Kurzverfahren zählen der PHQ-9 für depressive Symptomatik (neun Items, Cut-off meist 10) und der GAD-7 für generalisierte Ängstlichkeit (sieben Items). Beide wurden ursprünglich für die Hausarztpraxis entwickelt und sind in validierten deutschen Fassungen verfügbar.
Weitere Beispiele sind der AUDIT-C für riskanten Alkoholkonsum und der SCOFF für Essstörungen. Seriöse Selbsttests im Netz orientieren sich an solchen validierten Vorlagen und legen ihre Grundlage offen.
Ergebnisse richtig einordnen
Screeningwerte sind Momentaufnahmen: Schlafmangel, akuter Stress oder eine körperliche Erkrankung können Punktzahlen vorübergehend anheben. Sinnvoll ist deshalb, ein auffälliges Ergebnis nach ein bis zwei Wochen zu wiederholen und die Werte samt Datum zum ärztlichen oder therapeutischen Gespräch mitzunehmen.
Verlaufsmessung ist die zweite Stärke dieser Verfahren: Wer denselben Fragebogen in festen Abständen ausfüllt, macht Veränderungen unter einer laufenden Behandlung sichtbar – dafür sind viele Instrumente ausdrücklich konzipiert.
Ähnliche Tests
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Zum Weiterlesen
Quellen
- Kroenke, K., Spitzer, R. L. & Williams, J. B. W. (2001). The PHQ-9: Validity of a Brief Depression Severity Measure. Journal of General Internal Medicine.
- Spitzer, R. L., Kroenke, K., Williams, J. B. W. & Löwe, B. (2006). A Brief Measure for Assessing Generalized Anxiety Disorder: The GAD-7. Archives of Internal Medicine.