Depression-Test: Depressive Symptome mit dem PHQ-9 einordnen
Neun Fragen zu Stimmung, Antrieb, Schlaf und Selbstbild in den zurückliegenden 14 Tagen. Grundlage ist der PHQ-9, das international am weitesten verbreitete Kurzverfahren zur Erfassung depressiver Beschwerden.
Worum geht es in diesem Test?
Der Fragebogen bildet die neun Kernsymptome ab, an denen Fachleute eine Depression festmachen: verlorenes Interesse, gedrückte Stimmung, verändertes Schlaf- und Essverhalten, Energiemangel, ein negatives Bild von sich selbst, Konzentrationsprobleme, auffällige Verlangsamung oder Unruhe sowie Gedanken an den Tod. Für jedes Symptom geben Sie an, wie häufig es innerhalb der letzten zwei Wochen aufgetreten ist – von gar nicht bis fast täglich.
Aus Ihren Angaben entsteht ein Summenwert zwischen 0 und 27 Punkten, der einer von fünf Stufen zugeordnet wird: unauffällig, leicht, mäßig, mittelschwer oder schwer. Jede Stufe wird auf einer eigenen Seite erläutert – was der Wert aussagt, woran sich die Belastung im Alltag zeigt, welche Schritte jetzt sinnvoll sind und wo die Aussagekraft des Verfahrens endet.
Gedacht ist der Selbsttest für Erwachsene, die seit Wochen erschöpft oder freudlos sind und wissen möchten, ob dahinter mehr stecken könnte als ein vorübergehendes Tief. Er liefert keine Diagnose, sondern eine strukturierte Vorbereitung auf das Gespräch in der Arztpraxis. Wer sich aktuell in einer akuten Krise befindet oder daran denkt, sich etwas anzutun, sollte nicht erst einen Fragebogen ausfüllen, sondern direkt Unterstützung anrufen – etwa die TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111.
Mögliche Ergebnisse
- Unauffälliges Ergebnis (0–4 Punkte)
Ihr Summenwert liegt in dem Bereich, den auch die Mehrheit der Bevölkerung erreicht. Depressive Kernsymptome haben Sie in den letzten 14 Tagen kaum oder gar nicht erlebt.
- Leichte depressive Symptome (5–9 Punkte)
Einzelne depressive Beschwerden sind wiederholt aufgetreten, erreichen aber noch nicht das Ausmaß einer behandlungsbedürftigen Episode. Der Verlauf entscheidet.
- Mäßige depressive Symptome (10–14 Punkte)
Ihr Wert überschreitet die Schwelle, ab der eine fachliche Abklärung empfohlen wird. Die Beschwerdelast ist deutlich – und sie ist behandelbar.
- Mittelschwere bis ausgeprägte Symptome (15–19 Punkte)
Die depressive Beschwerdelast ist hoch und beeinträchtigt Ihren Alltag mit großer Wahrscheinlichkeit erheblich. Zögern Sie die Abklärung bitte nicht weiter hinaus.
- Schwere depressive Symptomatik (20–27 Punkte)
Ihr Ergebnis liegt im höchsten Bereich der Skala. Bitte sorgen Sie umgehend für professionelle Unterstützung – dieser Zustand ist ernst, aber gut behandelbar.
Methodik & Hintergrund
Die neun Fragen folgen dem PHQ-9, dem Depressionsmodul des Patient Health Questionnaire (Kroenke, Spitzer & Williams 2001). Das Instrument übersetzt die neun diagnostischen Kriterien einer depressiven Episode in Alltagssprache und wird weltweit in Hausarztpraxen, Kliniken und Studien eingesetzt. Auch die deutsche Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression nennt den PHQ-9 als geeignetes Screeninginstrument.
Jede Antwort zählt 0 bis 3 Punkte, die Summe reicht von 0 bis 27. Die Stufengrenzen bei 5, 10, 15 und 20 Punkten stammen aus der Validierungsarbeit von Kroenke und Kollegen. Zur Einordnung: In der deutschen Allgemeinbevölkerung liegt der Mittelwert bei knapp 3 Punkten (Kocalevent et al. 2013); Werte ab 10 gelten als Hinweis auf eine behandlungsbedürftige Symptomatik.
Beim Grenzwert von 10 Punkten erreicht der PHQ-9 in der Originalstudie eine Sensitivität und Spezifität von jeweils rund 88 Prozent für eine Major Depression. Das bedeutet zugleich: Etwa jedes achte Ergebnis fällt falsch aus – in beide Richtungen. Auch körperliche Ursachen wie eine Schilddrüsenunterfunktion, Blutarmut oder Medikamentennebenwirkungen erzeugen ähnliche Beschwerdebilder. Die Punktzahl ist deshalb ein Anhaltspunkt für die weitere Abklärung, niemals ein Befund.
Häufige Fragen
Kann dieser Test feststellen, ob ich eine Depression habe?
Nein. Er misst, wie dicht depressionstypische Beschwerden in den letzten zwei Wochen aufgetreten sind, und übersetzt das in einen Schweregrad. Ob tatsächlich eine depressive Erkrankung vorliegt, klärt nur eine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung, die auch Vorgeschichte, Lebenssituation und körperliche Ursachen einbezieht.
Worin unterscheidet sich eine Depression von einem normalen Stimmungstief?
Drei Merkmale trennen die Erkrankung vom Tief: Dauer (mindestens zwei Wochen, die meiste Zeit des Tages), Breite (mehrere Symptome gleichzeitig, etwa Schlaf, Antrieb, Selbstwert und Freude betroffen) und Entkopplung – die Stimmung hellt sich auch bei schönen Ereignissen nicht mehr auf. Ein Tief reagiert auf Umstände; eine Depression verselbstständigt sich.
Warum wird nach Gedanken an den Tod gefragt?
Weil Suizidgedanken ein Kernsymptom der Depression sind und das wichtigste Warnzeichen darstellen. Die Frage erzeugt solche Gedanken nicht – das ist gut untersucht –, aber sie hilft, sie sichtbar zu machen. Wer sie kennt, findet bei der TelefonSeelsorge unter 0800 111 0 111 jederzeit ein anonymes, kostenfreies Gespräch.
Was passiert mit meinen Antworten?
Nichts, das Sie nicht sehen: Die Auswertung läuft vollständig lokal in Ihrem Browser ab. Es gibt keine Registrierung, keine Übermittlung an einen Server und keine Speicherung Ihrer Angaben durch uns. Nach dem Schließen der Seite sind die Antworten weg – notieren Sie sich Ihren Punktwert, falls Sie ihn später vergleichen möchten.
Wie gut ist der PHQ-9 wissenschaftlich abgesichert?
Sehr gut: Er zählt zu den meistuntersuchten Depressionsfragebögen weltweit, wurde an tausenden Patientinnen und Patienten validiert und für Deutschland an einer Bevölkerungsstichprobe normiert. Ab 10 Punkten erkennt er eine Major Depression mit jeweils rund 88 Prozent Sensitivität und Spezifität – zuverlässig für ein Screening, aber bewusst kein Ersatz für Diagnostik.
Quellen
- Kroenke K, Spitzer RL, Williams JBW (2001). The PHQ-9: Validity of a Brief Depression Severity Measure. Journal of General Internal Medicine, 16(9), 606–613.
- Löwe B, Kroenke K, Herzog W, Gräfe K (2004). Measuring depression outcome with a brief self-report instrument: sensitivity to change of the Patient Health Questionnaire (PHQ-9). Journal of Affective Disorders, 81(1), 61–66.
- Kocalevent RD, Hinz A, Brähler E (2013). Standardization of the depression screener Patient Health Questionnaire (PHQ-9) in the general population. General Hospital Psychiatry, 35(5), 551–555.
- Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression (AWMF-Register nvl-005), Version 3, 2022.
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